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Steinbruch Röhrig Daten und Fakten sagen: Wir müssen etwas ändern

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Leserbrief „Klimawandel taugt nicht als Argument gegen Erweiterung“ (BA vom 20.05.2021)

Der Leserbrief von Herrn Hagemeister zur geplanten Steinbrucherweiterung der Firma Röhrig verlangt nach einer Erwiderung. Der Autor behauptet, dass Bürger, Parteien und Organisationen, die für Klimaschutz und Umwelt einstehen und gegen die Erweiterung stimmen, nicht in der Lage sind, die Ursachen des Klimawandels zu verstehen. Um diese Unkenntnis zu beseitigen, habe ich noch ein paar Fragen:

Nach meiner Information sind bei der Firma Röhrig noch Granitvorräte im genehmigten Abbaugebiet für mindestens 10 bis 15 Jahre vorhanden. Warum wird dann schon jetzt ein Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung durchgeführt, das eine Fortsetzung des derzeitigen Abbaus für bis zu 50 Jahre ermöglicht?

Einfach so weiterbauen geht nicht

Die Gesetzgebung ist durch die Klimaerwärmung gerade dabei, vieles zu ändern. Am 29. April hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das 2019 beschlossene Klimaschutzgesetz in Teilen verfassungswidrig ist und der Gesetzgeber eine Neufassung bis spätestens 2022 vorlegen muss. Ein einfaches „Weiter so“ kann es da nicht mehr geben!

Auch im Straßenbau und im Bauwesen kann man keine 10 oder 20 Jahre einfach so weiterbauen. Stein wächst ja nicht nach. Es wird zukünftig immer mehr recyceltes Material verwendet werden müssen. Viele Bundesländer erarbeiten dazu bereits neue Rohstoffkonzepte mit immer mehr Recyclingvorgaben. Seit August 2017 gibt es z. B. mit der DIN 4226-101 und der DIN 4226-102 ein neues Regelwerk zur Prüfung der umwelttechnischen Eignung der aus recyceltem Material gewonnenen Gesteinskörnung. Hierbei handelt es sich nicht um Rindenmulch oder Holzhackschnitzel, wie Herr Hagemeister annimmt, sondern um wiederverwendbares Material z. B. von Straßenaufbruch oder Bauschutt.

Regionale Betriebe bieten güteüberwachte Recycling-Baustoffe an, die die gleichen Qualitätskriterien wie Naturbaustoffe erfüllen. Wie ich der Kreislaufwirtschaft Bau vom Bundesverband Baustoffe e.V. Berlin entnehme, sieht das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) seit Januar 2020 eine Recyclingquote von mindestens 70 Prozent bei Bau- und Abbruchabfällen vor.

Was für Granitvorkommen werden bei der Steinbrucherweiterung erwartet? Wie viel Prozent werden für den Straßenbau oder Bauvorhaben in der Region Verwendung finden? Wie viel Prozent als hochwertiger Granit für z. B. Luxusgüter? Keine Transparenz ist hierzu vorhanden.

Was ist mit dem überregionalen Vertrieb? Die Firma Röhrig ist ein weltweiter Lieferant für Granit. Wie sehen die Berechnungen für den weltweiten Vertrieb aus? Warum wurden die Steinbruchbetriebe in Mengelbach, Erlenbach, Weinheim und Dossenheim geschlossen? Liegt es bei Weinheim und Dossenheim an den strengen Regeln von Baden-Württemberg?

Auswirkungen auf die Zukunft

Die aufgeführten Berechnungen von Herrn Hagemeister sind Spekulation und nicht in die Zukunft übertragbar. Entscheidend ist seine Annahme, dass wir weiter wie bisher so viele Steine brauchen, doch das muss sich im Interesse von Mensch und Erde mit mehr Baustoff-Recycling, Substitution von Baustoffen und innovativeren Lösungen beim Bauen ändern.

Für mich im Vordergrund stehen Themen wie Klimawandel und ökologischer Fußabdruck von uns Menschen, der größer ist, als ihn die Welt verkraften kann. Alle Daten und Fakten sprechen hier eine ganz klare Sprache: Wir müssen etwas ändern!

Die jetzt getroffenen Entscheidungen werden maßgebend unsere Zukunft beeinflussen. Mit den zu erwartenden Auswirkungen werden zukünftige Generationen leben müssen. Dies sind Gründe, warum ich für den Erhalt von 6,2 Hektar teilweise über 100-jährigem Buchenwald und des kleinen Felsenmeers bin und gegen ein Projekt, das die Klimaerwärmung und den Ressourcenverbrauch ungehindert vorantreibt.

Heidemarie Kunz

Lorsch

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