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Bildung Das Land schlägt alle Warnungen der Lehrer in den Wind

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Kassandra aus der griechischen Mythologie hatte die Gabe der Weissagung. Jedoch verhinderte ein Fluch, dass ihr diese Prophezeiungen geglaubt wurden.

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Ähnlich verflucht scheinen auch die Warnungen der hessischen Lehrkräfte, von denen viele mit großer Sorge auf das kommende nächste Corona-Schuljahr blicken:

Voraussichtlich werden nur wenige Jugendliche ab zwölf Jahren im September geimpft sein, da die StiKo weiterhin eine Impfung nur in Ausnahmefällen empfiehlt. Für noch jüngere Kinder ist zudem noch kein Impfstoff zugelassen.

Selbsttest auch für Erstklässler

Voraussichtlich werden schon die Einschulungsfeiern der Erstklässler 2021 bezüglich der Organisation, Hygienemaßnahmen und der Durchführung für große Grundschulen zur Herausforderung. Danach müssen die Lehrkräfte ihre Erstklässler ohne jegliche Vertrauensbasis zum Kind zum dreimaligen Selbsttest pro Woche anleiten. Alle Testungen in der Schule sind zu dokumentieren.

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Die Delta-Variante und die Folgen

Voraussichtlich wird es aufgrund der Delta-Variante wieder zu Einschränkungen in Unterrichtsabläufen, zu Wechselunterricht, zu wochenlanger Quarantäne von Eltern, Kindern oder Lehrpersonal und deren Hausständen oder gar zu Schulschließungen kommen. Wer betreut dann die Kinder zuhause oder die vielen Notgruppenkinder im KiTa- und Grundschulbetrieb?

Voraussichtlich werden wieder Videokonferenzsysteme in Schulen erforderlich. Welche bitte sehr, wenn Microsoft Teams verboten wird? Wer schaltet zuhause für jüngere Kinder den PC ein und hilft bei der Durchführung digitaler Kontaktaufnahme? Die meisten Lehrkräfte müssen außerdem noch immer auf privaten Endgeräten arbeiten. Ist das datenschutzkonform?

Lernen im kalten Klassenzimmer

Voraussichtlich werden Luftfilter für hessische Klassenzimmer nur für fensterlose Räume angeschafft. Viel Unterrichtszeit für die Öffnung analoger und elektronischer Fenster wird erneut verbraucht werden: Alle 20 Minuten pro Schulstunde soll ein Lüftungsintervall erfolgen, außer im Sommer. Wie lernt man aber ab Herbst im kalten Klassenzimmer? Wie wird die Extrazeit für das Lüften und die Anleitung zu den zahlreichen Hygienemaßnahmen oder Testungen an den Lehrplan angepasst? Gibt es dann mehr Unterrichtszeit?

„Begreifen“ weiter unmöglich

Voraussichtlich wird sinnliches Lernen durch „Begreifen“ weiterhin nicht stattfinden können, da jeglicher Körperkontakt oder das Weitergeben von Gegenständen und Dingen, sowie das Singen in Klassenzimmern weiterhin nicht normal möglich sein wird. Korrektur: Singen ist im Klassenzimmer bei Lüftung und einem Abstand von drei Metern pro Person (!) erlaubt.

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Voraussichtlich wird das auf Ganztagsbetreuung ausgelegte Gesellschaftssystem erneut kollabieren und viele Eltern werden entweder am Limit arbeiten oder ihre Arbeitsstellen verlieren. Die soziale Ungleichheit der familiären Grundbedingungen und die Zunahme häuslicher Gewalt werden im Herbst und Winter erneut einen traurigen Höhepunkt erreichen.

Drohende Aufholjagd

Voraussichtlich wird es keine erweiterten Räumlichkeiten oder zusätzliches Lehrpersonal in Schulen geben, um Lerngruppen im kleineren Rahmen unterrichten zu können und Wechselunterricht oder Schulschließungen zu vermeiden.

Voraussichtlich wird die Aufholjagd in Sachen „Lerndefizite“ weiterhin auf die Ferienzeiten verlagert, obwohl andere Konzepte möglich wären.

Man muss nicht Kassandra sein, um zu erahnen, dass im nächsten Schuljahr viele Missstände bereits vorprogrammiert sind. Es wäre Zeit für die Verantwortlichen, jetzt sofort zu handeln.

Katja Meilicke

Bensheim

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