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Klimawandel Atomenergie als Endlosschleife

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Noch vor kurzem entdeckten „Klimafreunde“ den Klimawandel als Vehikel für eine Renaissance der Atomenergie, jetzt muss die Abhängigkeit von russischer Energie für die Forderung nach einer Laufzeitverlängerung für die drei Atommeiler herhalten, die in Deutschland noch am Netz sind und – so der Plan – am 31. Dezember 2022 endgültig stillgelegt werden sollen.

Dass die namentlich von den Herren Lindner (FDP), Merz (CDU) und Söder (CSU) erhobene Forderung unter anderem von RWE-Chef Markus Krebber als „rückwärtsgewandt“ bezeichnet wird und Eon-Chef Leonhard Birnbaum bereits zuvor in der Financial Times erklärte: „Atomkraft hat in Deutschland keine Zukunft. Punkt.“ ficht indes profilierungssüchtige Politiker nicht an.

Auch technische Einwände und Argumente gegen längere Laufzeiten, die nicht nur aus dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium, sondern auch von den AKW-Betreibern selbst kommen, beeindrucken die selbsternannten „Tabubrecher“, die angebliche „Denkverbote“ sehen, kaum. Die Betreiber haben mit Blick auf das atomgesetzlich festgelegte Stilllegungsdatum Ende 2022 so geplant, dass die Brennstäbe bis dahin heruntergebrannt sind. Neue Bestellungen sind natürlich wegen des geplanten Ausstiegs nicht vorgenommen worden. Die Beschaffung neuer Brennelemente benötigt einen Vorlauf von weit über einem Jahr, weil sie für jedes Kraftwerk individuell angefertigt werden müssen. Die Behauptung Söders, sie seien „überall auf der Welt“ beschaffbar, entbehrt jeder Grundlage.

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Auch sind routinemäßige Sicherheitsüberprüfungen für längere Laufzeiten aufgrund der anstehenden Stilllegung nicht vorgenommen worden. Zudem wurde das qualifizierte Personal bereits jetzt stark reduziert, so dass ein sicherer AKW-Betrieb über Jahre – wie gefordert – kaum möglich ist.

Schließlich: Die drei deutschen AKW produzieren nur Strom, Gas wird aber vor allem als Industrierohstoff und Wärmelieferant knapp.

Aus meiner Sicht interessant ist die Tatsache, dass die Befürworter von Laufzeitverlängerungen über Jahre kein Problem mit der wachsenden deutschen Abhängigkeit von russischem Öl und Gas hatten. Noch 2020 musste Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion einräumen, dass sich die Bundesregierung bei der Bedarfsermittlung für Gas weitgehend auf Zahlen von Gazprom stützt. FDP, CDU und CSU sind auch nicht bekannt dafür, den Umstieg auf Alternativen forciert zu haben.

Von den 463 Windkraftanlagen, die 2021 in Deutschland aufgestellt wurden, entfielen auf das flächenmäßig größte Bundesland Bayern ganze acht. Ein „Gemeinschaftswerk über Parteigrenzen hinweg“ unter tätiger Hilfe von Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) war der Crash beim deutschen Export von Solarmodulen, der laut IW-Studie von 2010 bis 2019 von 8,5 Milliarden Dollar auf 2,5 Milliarden Dollar einbrach. Energiewende? Christian Lindner (FDP) hat im Rahmen der Ampel erfolgreich durchgesetzt, dass auch im nächsten Jahr noch neue Gasheizungen in Deutschland eingebaut werden dürfen, in denen rund ein Drittel des Erdgases verbrannt wird.

Rainer Scheffler

Lautertal

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