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Verkehr Abenteuerliche Erlebnisse auf einer Bahnfahrt

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Für die Fahrt nach Worms bietet sich die Nibelungenbahn als Alternative zum Pkw ja schon fast zwingend an – und das 9-Euro-Ticket gibt den letzten Ausschlag für einen unverbindlichen Test am Wochenende.

Samstag, 12.19 Uhr, Start in Lorsch: Der Zug ist pünktlich, einzig die Anzeigetafel vermeldet, dass der Zug ausnahmsweise nicht in Hofheim hält. Wir bedauern die nach Hofheim Reisenden, aber unser Ziel ist ja Worms. Im Zug verkündet die Anzeige doch einen Halt in Hofheim und sonst scheint auch alles planmäßig.

Nach Riedrode hält der Zug in Bürstadt. Und hält. Nach einer Viertelstunde erlöschen alle Vitalfunktionen des Zuges und die ersten Mitfahrenden werden nervös. Man verlässt den Zug und forscht auf dem völlig anzeige- und ansagefreien Bahnsteig nach Ursachen.

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fh/ü
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Die Fahrerkabine scheint verlassen, eine Gruppe Reisende vermutet einen Hitzschlag oder Schlimmeres des Zugführers und kontaktiert den Notruf. Die Polizei erklärt sich für nicht zuständig, das sei Sache der Bahnpolizei. Aber die Fahrerkabine ist leer, der Zugführer hat still und heimlich die Flucht ergriffen.

Nach einer halben Stunde und weiteren Telefonaten kursieren immer mehr Gerüchte: Eine ganze Armada Taxis werde ausschwärmen und die Gestrandeten weitertransportieren, Busse seien auf dem Weg, jedenfalls solle man am Bahnsteig warten.

Bauarbeiten auf der Strecke

Nachforschungen auf der Störungsseite der DB ergeben auch keinen Treffer für die Strecke. Nach einer Dreiviertelstunde erscheint tatsächlich ein Zugführer – und besteigt die Fahrerkabine auf der entgegengesetzten Seite des Zuges. Auf Nachfrage erklärt er, es führen doch heute wegen Bauarbeiten gar keine Züge nach Worms, aber er werde gerne noch einmal bei einem Kollegen nachfragen.

Der Mitarbeiter, der pikanterweise wohl das Drama die ganze Zeit direkt vor seiner Stellwerkkabine durch die geschlossenen Rollos beobachtet hat, ohne irgendwie hilfreich in Erscheinung zu treten, erklärt dann, man habe einen Ersatzbusverkehr von Hofheim nach Worms eingerichtet. Aber erst Samstagvormittag gemerkt, dass die Baustelle ja vor Hofheim liegt und gar kein Zug bis Hofheim kommt. Und so schnell könne man ja keinen Ersatzbusverkehr organisieren.

Nach einer Stunde beschließen dann die meisten Reisenden, mit dem Zug zurück nach Bensheim und Lorsch zu fahren. Im Zug spielt jemand auf dem Smartphone laut die „Wise Guys”.

Wie es den wenigen Unverzagten ergangen ist, die in Bürstadt auf ihre Weiterfahrt nach Worms gewartet haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir haben jedenfalls der Bahn für einen unterhaltsamen Nachmittag zu danken, werden allerdings vom kompletten Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr vorerst Abstand nehmen.

Petra Bär

Dieter Krieger

Lorsch

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