Zu guter Letzt Impftourismus: Serbien düpiert Europa

Von 
Michael Roth
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Bergstraße. Wo es Angebot und Nachfrage gibt, bildet sich in aller Regel ein Markt. Das ist bei Corona-Impfstoffen nicht anders. Wer genug Geld hat und/oder gute Beziehungen zu den Königshäusern am Persischen Golf, kann sich dort eine Impfung ermöglichen. Offiziell gibt es Impfstoff nur für Einheimische. Aber auch als Ausländer lassen sich Mittel und Wege finden, an den Piks zu kommen. Die Vereinigen Arabischen Emirate wollen sogar ein offizielles Programm zum Impftourismus auflegen. Das berichten die Neue Zürcher Zeitung und die Financial Times. Vor allem reiche Libanesen, Inder und Pakistaner sollen gesichtet worden sein, aber auch Mitglieder der spanischen Königsfamilie und Topmanager aus Europa waren da.

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Nun haben die wenigsten Menschen gute Kontakte an den Golf. Die Alternative: Serbien. Das Land ist neuerdings zum (preisgünstigen) Anziehungspunkt für Tausende Impfwillige aus seinen Nachbarländern, aber auch für Besucher aus ganz Europa geworden. Das seit dem Jugoslawienkrieg zu recht in Misskredit geratene Land lädt geradezu zum Impfen ein. Solange der Vorrat reicht. Mit staatlichem Impfmarketing versucht die Regierung, Imagepunkte zu sammeln. Vor laufenden Kameras lobten Mazedonier, Albaner, Montenegriner die Hilfsbereitschaft. Viele Balkanstaaten fühlen sich von der EU im Stich gelassen, und Serbien, sowie China und Russland mit Impflieferungen, füllen die Lücke und düpieren Europa. So hat die EU nicht nur in Deutschland mit ihrer stümperhaften Impfpolitik viel Vertrauen verspielt, sondern auch einen großen politischen Kollateralschaden auf dem Balkan angerichtet.

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