Zu guter Letzt Das zweite Impfdesaster droht

Von 
Michael Roth
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Bergstraße. Wortreich haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder erklärt, was, wann, warum und wie geht, nicht geht, geöffnet wird oder geschlossen bleibt. Sogar das Haareschneiden schaffte es an eine herausragende Position. Haare schön, statt Handel offen? Beim Friseur kommt man sich näher als in Mode-, Möbel- oder Autohaus. Das verstehe, wer will.

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Nur ein Wort hat man schmerzlich vermisst: Impfen. Wie ist der aktuelle Stand, wann kommen neue Impfstoffe, von wem, wie gut schützen sie, wie viele Menschen können täglich geimpft werden? Antworten Fehlanzeige.

Das EU-Desaster um die Impfbestellungen wird totgeschwiegen. Dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nur halbherzige Entschuldigungen von sich gibt, war nicht anders zu erwarten. Sie ist (aus ihrer Sicht) nie an etwas Schuld. Unterdessen geht es anderswo schneller. Vorneweg Israel, die USA und Großbritannien. Deutschland liegt hinter Litauen, Rumänien und Chile. Ein Armutszeugnis.

Und so ist es kein Wunder, dass sich die Akzeptanz der Deutschen mit den Corona-Beschränkungen dem Ende zuneigt. Zwar wird ein Rückgang von Infektionszahlen positiv wahrgenommen. Im persönlichen Umfeld wird aber immer weniger Positives erlebt. Vermutlich dauert es nicht mehr lange und die Stimmung kippt. Und dann droht die Gefahr, dass Beschlüsse der Politik weder ernstgenommen noch befolgt werden. Und die größte Gefahr dabei: es lassen sich infolge dessen weniger Menschen impfen, ein zweites Impf-Desaster droht.  

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