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Rezension - Bob Hanning schreibt in seiner Biografie über seinen Bruch mit Heiner Brand und Machtspielchen im Handball Bob-Hanning-Biogafie: kleine Spitzen, große Einblicke

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Der Boulevard urteilte gewohnt verkürzt und titelte erwartungsgemäß zugespitzt: „Die größte Feindschaft des deutschen Sports“. So bezeichnete die „Bild“ die nicht (mehr) vorhandene Beziehung zwischen Handball-Legende Heiner Brand und dem polarisierenden Bob Hanning, der gerade erst sein Amt als Vize-Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) abgab und passend zu seinem Abschied seine Biografie „Hanning. Macht. Handball.“ vorstellte.

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„Mit meiner Mutter gestorben“

Gewiss: Die Feindschafts-Schlagzeile dürfte den Verkaufszahlen nicht geschadet haben. Im Gegenteil. Nur wird sie dem Inhalt des Kapitels zu Brand in Hannings Buch nicht gerecht. Denn wer erwartet hat, dass der gern mal provozierende Ex-DHB-Vize ein reines Abrechnungswerk verfasst hat, der wird enttäuscht sein. Natürlich gibt es hier und da kleinere und größere verbale Spitzen gegen ehemalige Nationalspieler wie Daniel Stephan oder einstige Verbandsgefährten wie Bernhard Bauer. Und mit Brand bricht Hanning wahrscheinlich sogar endgültig in seinem Buch („Auf persönlicher Ebene ist Heiner Brand im August 2015 zusammen mit meiner Mutter gestorben.“ „Und so gab ich meiner Mutter auf dem Totenbett ein Versprechen: Ich werde nicht auf seine Beerdigung gehen.“).

Auch eine Hommage

Gleichzeitig sind die mal deutlich und mal fein formulierten Zeilen des Wahl-Berliners aber auch eine Hommage an das Lebenswerk des einstigen Bundestrainers, „seine Lichtgestalt“, die für ihn nur irgendwann aufhörte zu leuchten. Hanning erklärt in seiner Biografie, wie die Beziehung zwischen den beiden erste Risse bekam, dann erkaltete und schließlich endete. Es ist eines der ernsteren Kapitel in einem facettenreichen Werk, in dem es abwechselnd lustig, hintergründig, selbstkritisch, attackierend und persönlich zugeht, in dem der 53-Jährige über seine Schulzeit spricht („Die Pädagogen sind an mir verzweifelt. Meine Eltern auch.“), seine große Leidenschaft beschreibt („Der Drang, junge Spieler zu entwickeln, begleitet mich durch meine gesamte Karriere.“) und verrät, wie er mit einem Telefonbuch-Trick dafür sorgte, dass Bertrand Gille 2002 zum Welt-Handballer gewählt wurde.

Der 53-Jährige gewährt zudem einen Einblick in komplizierte Trainersuchen, Macht- und Ränkespiele beim DHB und nimmt den Leser mit auf den Weg zum historischen EM-Sieg von 2016, als es am Abend des Triumphes nicht ganz einfach und vor allem auch nicht ungefährlich war, den angetrunkenen 2,10-Meter-Riesen Finn Lemke mit dem Taxi unfallfrei ins Hotel zu bekommen.

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