Wie Worms MARTIN LUTHER feiern will

Lesedauer: 
Die Wormser Dreifaltigkeitskirche am Marktplatz wird zum Auftakt der Feierlichkeiten zur gigantischen Leinwand einer Multimedia-Inszenierung unter dem Titel „Der Luther-Moment“. © EKHN

Es ist ein Schlüsselereignis der Weltgeschichte: Der Wittenberger Augustinermönch Martin Luther zieht auf einem Karren in eine völlig überfüllte Stadt Worms ein, um vor Kaiser und Reich seine Schriften zu verteidigen. Der Ausgang ist bekannt. 500 Jahre später soll dieses Jubiläum mit aller Kraft gefeiert werden. Die Nibelungen räumen dem Reformator sogar die Festspielbühne am Originalschauplatz des Geschehens, die Dreifaltigkeitskirche wird zur größten Videoleinwand Europas, und Pilger wollen sich auf den Weg von der Wartburg bis nach Worms begeben.

AdUnit urban-intext1

Das Problem dabei: Noch weiß keiner, wie groß tatsächlich angesichts der Pandemie gefeiert werden kann. Deshalb laufen die Vorbereitungen mehrgleisig mit vielen Varianten im Blick. „Manches wird nicht so möglich sein, wie wir uns das erhofft haben“, sagt Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN). Zunächst gab es jetzt eine virtuelle Vorstellung des Programms. Anfang März soll verkündet werden, was tatsächlich wie gefeiert werden kann.

Inszenierung mit Rufus Beck

Stationen des Reichstagsjubiläums in Worms

Auftakt mit Festakt, Multimedia-Inszenierung und Festgottesdienst am 17. und 18. April.

Verleihung des Preises „Das unerschrockene Wort“ an weißrussische Bürgerrechtlerinnen am 24. April.

Die Nibelungenfestspiele inszenieren „Luther“ als Staatsaffäre zwischen Machtintrige und Religionskampf vom 16. Juli bis 1. August.

Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ vom 3. Juli bis Jahresende.

Infos unter www.wagemutig.de

Einige Dinge haben die Organisatoren von Kirche, Stadt Worms und Nibelungenfestspielen allerdings schon festgezurrt. Startschuss ist demnach das Wochenende vom 16. bis 18. April, dem Datum des Auftritts Luthers vor Kaiser Karl V.. Am 17. April sei der Mönch erstmals vor dem Reichstag aufgetreten – „ängstlich, unsicher, verzagt“, erläutert Fabian Vogt, Projektleiter der EKHN für das Wormser Großereignis. Am Tag darauf habe er selbstbewusst und standhaft den Widerruf seiner Schriften verweigert. „Was ist also in dieser Nacht passiert?“, fragt Vogt. Antworten soll eine große Multimedia-Inszenierung „Der Luther-Moment“ auf der Fassade der Dreifaltigkeitskirche auf dem Wormser Marktplatz bieten, unter anderem mit den Schauspielern Rufus Beck, Isaak Dentler und Barbara Stollhans unter der Regie von Parviz Mir-Ali. Die Inszenierung wird ab 23 Uhr live vom SWR übertragen, sei also bundesweit zu sehen, selbst wenn nur 20 Menschen vor Ort sein könnten.

Die Feierlichkeiten werden mit einem Festakt am 17. April starten. Dieser Festakt wird stattfinden“, bekräftigt der Wormser Kulturkoordinator David Maier – auch wenn man noch nicht genau wisse, in welcher Form. Außerdem wird am 18. April ein ökumenischer Gottesdienst mit Kirchenpräsident Jung und dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf gefeiert. Die evangelische Kirche legt großen Wert darauf, das Jubiläum ökumenisch zu zelebrieren.

AdUnit urban-intext2

Zur Feier des Ereignisses verleihen die Lutherstädte ihren gemeinsamen, mit 10 000 Euro dotierten Preis „Das unerschrockene Wort“ am 24. April in Worms an die drei weißrussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kolesnikowa, Weronika Zepkalo und Swetlana Tichanowskaja. Es seien würdige Preisträgerinnen mit Blick auf Luthers Berufung auf das Gewissen, so David Maier. Ohnehin soll das Jubiläum den Blick auf die aktuelle Bedeutung Luthers weiten, seine Zivilcourage, für größere Werte einzustehen und die Freiheit des Gewissens zu postulieren, sagt Volker Jung. Gesucht werden die „Luther-Momente“ heute. Antworten darauf wollen auch die Nibelungenfestspiele geben, für die Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss ein Luther-Stück geschrieben hat. Der Reformator sei heute politischer denn je, sagt der überzeugte Protestant und Festspiel-Intendant Nico Hofmann. Nicht sein Leben, sondern sein Wirken rücken die Festspiele vom 16. Juli bis 1. August in den Mittelpunkt. Aktuell planen die Organisatoren mit 600 Zuschauern pro Abend. Die Festspiele verschieben gehe nicht. „Aber ich habe die Hoffnung, dass sich die Lage verbessert“, sagt Hofmann, der – auch durch sein Filmschaffen – eng mit der Charité vernetzt ist. Man arbeite mit vielen Variablen und einem Buchungssystem, das auch eine kurzfristige Erhöhung der Zuschauer-Kapazitäten erlaube.

Eine Landesausstellung im eigens umgebauten Museum Andreasstift soll vom 3. Juli bis Ende des Jahres ebenfalls die Sicht auf das Wirken Luthers international weiten.