Sakrales SORGENKIND

Von 
Wolfgang Jung
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Das Fresko von Kirchenmaler Johann Baptist Schraudolph am Haupteingang des Speyerer Kaiserdoms. © dpa

Dieses Kunstwerk ist jede Mühe wert: Erhaben glänzt das Fresko von Kirchenmaler Johann Baptist Schraudolph in der Vorhalle des Speyerer Doms über dem Hauptportal. Doch das sakrale Bildnis bereitet Sorgen. Zum Beispiel hat sich der Kalkputz, der als Untergrund dient, aufgrund von Umwelteinflüssen in einigen Bereichen zu Gips umgewandelt. Es kommt zu flächigen Ablösungen und weißlichen Verfärbungen. Das erschwert die laufende Restaurierung. „Leider gibt es nicht nur ein Problem, sondern gleich mehrere“, sagt Dom- und Diözesankonservator Wolfgang Franz.

Der Maler

Johann Baptist Schraudolph, auch Johann von Schraudolph lebte von 1808 bis 1879.

Er war ein deutscher Kirchen- und Historienmaler.

Ab 1825 studierte er an der Kunstakademie in München und kam als Gehilfe Joseph Schlotthauers in die Glyptothek, wo er die Technik der Fresko-Malerei erlernte.

Die Ausmalung des Speyerer Doms im Auftrag von Ludwig I. wurde zu seinem künstlerischen Durchbruch.

Die Stadt Speyer verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde, Ludwig I. erhob ihn 1862 in den Adelsstand. jei/ü

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Als eine der größten romanischen Kirchen der Welt zählt der Speyerer Dom seit 1981 zum Unesco-Weltkulturerbe. Rund 134 Meter lang, bis zu 55 Meter breit und im Innern mehr als 30 Meter hoch: Bis heute nötigen die Ausmaße der Kathedrale den Besuchern Respekt ab. Zu seiner Bauzeit im 11. Jahrhundert galt es den Zeitgenossen als Weltwunder. Damit auch künftige Generationen staunen können, muss der Dom instand gehalten werden. Derzeit werden Vorhalle, Gewölbe, Reliefs und Skulpturen restauriert. Das Fresko gilt dabei als „Sorgenkind“.

„Die originale Malerei von Johann Baptist Schraudolph wurde freskal ausgeführt – das heißt, dass die Farbe direkt auf den frischen, noch feuchten Putz aufgetragen wurde“, sagt Wolfgang Franz, Leiter der kirchlichen Denkmalpflege. Spätere, zeitlich nicht eindeutig zuzuordnende Restaurierungen seien sehr unfachmännisch ausgeführt worden: „Kleinere Fehlstellen wurden nicht retuschiert, sondern großflächig malerisch in einer äußerst schwachen Qualität trocken übermalt.“ Teilweise erfolgten Neuinterpretationen ganzer Gewand- und Gesichtspartien.

In dem Bild, auf dem Maler Schraudolph knieend zu Füßen der Mutter Gottes zu sehen ist, liegen Farbduktus und Farbwerte häufig deutlich neben denen des Künstlers. „Das verwendete Bindemittel Kunstharz bildet einen dichten diffusionsunterbindenden Film aus. Die Fläche kann an der Stelle also nicht atmen – und es kommt zu weiteren Problemen“, berichtet der Dom- und Diözesankonservator.

Maria vor goldenem Hintergrund

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Das Fresko gilt als Schraudolphs letztes Werk in Speyer. Es zeigt die Patronin des Doms, Gottesmutter Maria, und mehrere Heilige vor einem goldenen Hintergrund. „Die Vergoldung wirft Blasen und löst sich vom Untergrund“, sagte Dombaumeisterin Hedwig Drabik bei einer Begehung im August. Grund sei Versalzung, was die Restaurierung erschwere. Die laufenden Voruntersuchungen und Arbeitsproben werden von einer speziell ausgebildeten Restauratorin ausgeführt.

Ein Gesamtrestaurierungskonzept soll gefunden werden. Zu den anfallenden Gesamtkosten und zur Dauer könnten derzeit keine Angaben gemacht werden. Zur Untersuchung müssten chemische Prozesse simuliert werden, was Zeit in Anspruch nehme. „Die Restaurierung wird als eigenständige Maßnahme mit einer erneuten Einrüstung im nächsten Jahr in Angriff genommen“, kündigt der Leiter der kirchlichen Denkmalpflege an.

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Am Ende soll der originale Gesamtzustand möglichst umfassend erhalten werden. Aber viele Fragen sind offen – auch, weil es keinen vergleichbaren Fall gibt. „Sowohl Örtlichkeit als auch Maltechnik und die nachfolgenden Restaurierungen beziehungsweise Überarbeitungen verleihen diesem Fresko ein Alleinstellungsmerkmal“, erzählt Franz. Das Konzept müsse speziell für dieses Fresko erarbeitet werden.