Ein Dach wie im OLYMPIASTADION

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Der Entwurf: Das Dach der Multihalle wird saniert, statt der Beton-Tribünen werden einzelne Räume eingebaut (rechts). © Stadt Mannheim/COFO Architects/PEÑA Architekture

Bis ins Detail ausgearbeitet ist inzwischen das neue Nutzungskonzept für die Multihalle im Mannheimer Herzogenriedpark, die durch ihre prägnante Dachkonstruktion überregional bekannt ist. Ausdrücklich soll das Gebäude weiter als Multihalle betrieben werden. „Über allem steht die Multifunktionalität“, so der Mannheimer Baubürgermeister Lothar Quast. Das gilt zumindest für die große Halle, wo man „großräumige temporäre Nutzungen“ auf 2500 Quadratmetern vorsieht. Das können Kulturveranstaltungen, Ausstellungen, Märkte, Aktivitäten von Schulen ebenso wie Sportevents oder Training sein.

Kulturdenkmal besonderer Bedeutung

Seit 1998 steht die Multihalle unter Denkmalschutz. Nun hat das Landesamt für Denkmalpflege, wie schon angekündigt, den Status erhöht und das Gebäude als „Kulturdenkmal besonderer Bedeutung“ eingestuft – eine Art „Denkmalschutz de luxe“.

Die Behörde bescheinigt der Halle „überdurchschnittliche architektonische Qualität“. Sie sei eine „wegweisende Pionierleistung im Gebiet des Membranbaus“ und „eines der Hauptwerke der organischen Architektur“.

Der renommierte Kunsthistoriker Winfried Nerdinger bezeichnet die Multihalle als „eine der bedeutendsten Raumschöpfungen“ des Architekten Frei Otto, der auch durch das Münchner Olympiastadion bekannt wurde. In Architekturkreisen gilt die mit einer maximalen freien Spannweite von 60 mal 85 Metern größte Holzgitterschalenkonstruktion der Welt als „Wunder von Mannheim“.

„Kaum ein Gebäude des 20. Jahrhunderts reicht in seinen skulpturalen Qualitäten an den Walfisch von Mannheim heran“, betonen die Denkmalschützer die „Einzigartigkeit und Bedeutung“ der Multihalle. pwr

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Die Multihalle sei künftig aber „eher ein Dach als eine Halle“, verdeutlicht Quast. Eine Klimatisierung ist nicht vorgesehen. Es gehe darum, „die Kathedralen-Wirkung“ der einzigartigen Dachkonstruktion zu erhalten. Das war Ergebnis eines Architektenwettbewerbs 2019. Damals wurden drei gleichwertige Preisträger ausgewählt, mit denen die Stadt in Detailverhandlungen gehen wollte. Danach habe man den Entwurf des Büros COFO/PEÑA Rotterdam als „das mit dem höchsten Entwicklungspotenzial und der höchsten architektonischen Qualität“ ausgewählt und mit den Inhabern detailliert ausgearbeitet. Es sieht zunächst die Sanierung des Gitterschalendachs vor. Die alten Beton-Einbauten und Außenwände sollen überwiegend verschwinden, im Tribünenbereich die unteren beiden Stufen. In den dunklen „Katakomben“, bisher Künstlergarderoben, entstehen die Büro-, Werk- und kleinere Veranstaltungsräume sowie Ateliers. Als ganzjährig nutzbarer Veranstaltungsraum wird im Erdgeschoss ein einstöckiger Baukörper von etwa 160 Quadratmetern zwischen Halle und Foyer neu eingefügt. Sanitäranlagen und Technik sollen ebenso saniert werden wie das Restaurant.

Die Finanzierung ist weitgehend gesichert. Nachdem der Bund die Multihalle als „Nationales Projekt des Städtebaus“ einstufte und fünf Millionen Euro bewilligte, hatte der Gemeinderat weitere 9,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kommen 50 000 Euro. Die Stadt ist mit einer überregionalen Stiftung, so Quast, „in guten Gesprächen“, und weitere fünf Millionen Euro wurden bei der EU für Projekte während der Bauphase beantragt. Baubeginn könnte 2021, Fertigstellung vor der Bundesgartenschau 2023 sein. pwr