Der "Wellerman" geht um die Welt

Von 
Peter Jaschke
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Nathan Evans sorgt derzeit mit seiner Version des Seemannsliedes „Wellerman“ für Furore. © dpa

Was braucht der Mensch, um in bedrängter Lage Hoffnung und Trost zu empfinden? Antwort: Manchmal gar nicht viel. Für Walfänger des 19. Jahrhunderts mag es die Vorfreude auf das Proviantschiff mit „Zucker, Tee und Rum“ gewesensein. Davon erzählt jedenfalls das alte Seemannslied „Wellerman“, mit dem der bisheriger Postbote Nathan Evans aus Schottland in dieser weltweit schwierigen Zeit Millionen von Zuhörern in den sozialen Netzwerken ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

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So geht es auch Matz Scheid aus Großsachsen. Dabei eint den auf einer Hochebene bei Glasgow lebenden Evans und den Bergsträßer Scheid aus der großen Familie des Odenwälder Shanty Chors sogar etwas: Beide haben jenen plötzlich weltberühmten Song „Wellerman“ interpretiert.

„Wellerman“-Weblinks

Die verschiedenen „Wellerman“-Versionen im Internet sind auf YouTube wie folgt anzuschauen:

Die Version von Nathan Evans: https://bit.ly/3rqBTvF.

Der Remix von The Kiffness: https://bit.ly/3jdGhv2.

Der Odenwälder Shanty Chor: https://bit.ly/3aBDl7B.

Die Version von The Longest Johns: https://www.youtube.com/watch?v=FXfZPbeJqyw

„Ich finde das super“

Dass der 26-jährige Schotte nach dem Riesenerfolg seiner Version auf der Social-Media-Plattform TikTok den Briefträgerjob aufgeben kann, um nun von seiner Musik zu leben, gönnt ihm Scheid: „Ich finde das super.“ Der musikalische Shanty-Chor-Kapitän freut sich über das Revival des Shanty-Genres und mit dem jungen Sänger.

Evans sorgt nur mit ein wenig Hilfe von Freundinnen und Freunden sowie sparsamer Instrumentierung für richtig gute Laune. Genau das gelingt dem Odenwälder Shanty Chor seit mehr als 30 Jahren. Pflegt doch das Ensemble so augenzwinkernd wie hinreißend die „alte Tradition des Absingens von Seemannsliedern in völlig trockener Umgebung“. So formuliert es der Shanty-Chor-Erzähler Manfred Maser alias Professor Alfons Netwohr vom „Institut für spekulative Heimatgeschichte“. Er spinnt das Seemannsgarn des mehrfachen Weltumseglers Schann Scheid aus Fränkisch-Crumbach im Odenwald humorvoll und reich an regionalen Bezügen zu Shantys aus aller Welt. Und so hat der Odenwälder Shanty Chor schon vor 20 Jahren seine „Wellerman“-Version auf die Bühne gebracht. Als Live-Nummer ist sie, mit Anja Spilger an der Querflöte, auf der CD „Odyssee im Odenwald“ (2002) zu hören.

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„In der relativ kleinen Shanty-Community, in der wir unterwegs sind, ist das Lied bekannt. Trotzdem dachte ich zuerst an einen Hörfehler, als es jetzt sogar im Radio lief“, erzählt der 64-jährige Scheid. „Wir hatten es damals aufgenommen, weil es zu uns passt, aber es wäre verwegen gewesen, das zu einem solchen Hit machen zu wollen.“.

Dass Nathan Evans hauptberuflich bislang ausgerechnet als Zusteller unterwegs war, dürften Fans des Odenwälder Shanty Chors als besonders witzig empfinden. Spielt doch in den Programmen des Chors die mit Ludger Krammes besetzte Figur eines Postboten oft eine Rolle.

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Jetzt aber hofft Matz Scheid – wie wohl auch Nathan Evans – sehnsüchtig auf „Zucker, Tee und Rum“, sprich: auf baldige „echte“ Proben sowie Auftritte vor leibhaftigem Publikum im selben Raum. Hat doch der Odenwälder Shanty Chor sein Jubiläumsprogramm wegen Corona erst wenige Male gezeigt.

Freier Autor Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.