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 Kultur und Corona - Der Schauspieler blickt zurück auf das Jahr 2020 / Casting und Filmstart verschoben / Corona-Hilfen kaum profitabel André Eisermann wartet auf Publikum und Applaus

Von 
Wolfgang Jung
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Worms. Theaterstücke abgesagt, Dreharbeiten verschoben, Lesungen gestrichen: Für Kulturschaffende war das Jahr 2020 eine bittere Zeit. „Wie so viele meiner Kollegen, hatte auch ich keine Drehtage“, sagt Schauspieler André Eisermann. Dem 53-Jährigen hatten einst Erfolge wie „Kaspar Hauser“ und „Schlafes Bruder“ die Tür nach Hollywood geöffnet. Nun sitzt er seit Beginn der Pandemie meist zuhause in Worms. Die Zeit nutzt er auch, um Biografisches aufzuschreiben – Arbeitstitel: „Der Narr Gottes“. Sein Werdegang vom Schaustellerkind zum Star des deutschen Kinos wäre guter Filmstoff.

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„Durch die Pandemie sind viele Jobs verlorengegangen, besonders in der Kultur- und Veranstaltungsbranche“, sagt der Mann mit der markanten sonoren Stimme. Für Schauspielerinnen und Schauspieler sei es ohnehin schwierig, regelmäßig vernünftige Jobs zu ergattern. „Seit Beginn der Pandemie ist dies nahezu unmöglich. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch.“ Als im Mai Vorstellungen mit bis zu 250 Zuschauern zugelassen wurden, hielt er sich im Sommer mit Lesungen über Wasser. Von der staatlichen Corona-Hilfe wird er nach ersten Schätzungen kaum profitieren.

In der Nibelungenstadt geboren und dort noch immer zu Hause: André Eisermann vor der historischen Wormser Stadtmauer. © Arnold/dpa

Zu Beginn der Pandemie sollte er an einem Casting für einen Kinofilm teilnehmen – das Projekt wurde verschoben. „Auch der Kinostart des Films ,Der große Orkan’, in dem ich einen Auftritt als Stallknecht habe, wurde verschoben“, erklärt Eisermann. Er freue sich aber darüber, dass „Isi & Ossi“ zwischenzeitlich auf Platz Eins der deutschen Netflix-Charts geklettert sei. Eisermann spielt einen Box-Trainer. Wenn er voller Leidenschaft über seinen Beruf spricht, sind die großen Erfolge ganz greifbar. Eisermann hat wenig von der Intensität eingebüßt, die ihm Ehrungen wie etwa den Deutschen Filmpreis einbrachte.

Auch Theater hat der Mann aus Worms sein Leben lang gespielt, ob in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ unter der Regie von Leander Hausmann bei den Salzburger Festspielen oder bei den von ihm mitinitiierten Nibelungenfestspielen in Worms. Als Sohn von Schaustellern, die mit einer Büchsenwurfbude über Rummelplätze zogen, stand er früh im Rampenlicht. „Meine Karriere hat mit vier Jahren begonnen, auf der Bühne im Bierzelt, zwischen Striptease-Tänzerinnen und Mäuseschluckern“, erzählt er ohne falsche Romantik. „Wenn ich auftrete, bringe ich immer auch dieses Leben mit.“

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Die Frage, ob Kultur „systemrelevant“ ist, stellt sich für ihn nicht. „Das Wort Kultur kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Landwirtschaft. Kultur ist somit der Nährboden, das Fundament des Zusammenlebens zwischen uns Menschen“, meint Eisermann. Kultur präge Denken, Sprache, Schrift und Musik – und auch Religion, Sitten und Gebräuche. „Was heute dort gesät wird, werden wir morgen ernten. Kultur ist für das gesellschaftliche System sehr relevant.“

Trotz der massiven Einschränkungen will Eisermann kein vernichtendes Fazit ziehen. „In Deutschland sterben jeden Tag Hunderte Menschen an Corona, und Kliniken stoßen an ihre Belastungsgrenzen. Da bin ich insgesamt froh, dass wir – meine Mutter, mein Partner Manuel und ich – bislang gesund durch diese ungewöhnliche Zeit gekommen sind.“ Er wisse aber von Erkrankten. „Und was diese mir über ihren Verlauf und dessen Spätfolgen berichten, veranlasst uns dazu, weiter äußerst vorsichtig und respektvoll mit diesem Virus umzugehen.“

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Für 2021 blickt der Schauspieler als politisch denkender Mensch unter anderem mit Zuversicht auf den Machtwechsel im Weißen Haus. Donald Trump habe als US-Präsident „endlich verschwinden“ sollen, sagt Eisermann. „Es erfüllt mich mit Unbehagen, zu wissen, dass eine solch narzisstische Persönlichkeit Herr über die Nuklearcodes war.“

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Daneben hofft Eisermann auf die verlässlichen Impfstoffe gegen das Corona-Virus. Und in der Kultur, sagt der Film- und Theaterschauspieler, sollte sich der Vorhang möglichst bald wieder heben. dpa

Durchbruch als Kaspar Hauser mit zahlreichen Auszeichnungen

André Eisermann wurde im Oktober 1967 in Worms geboren und begann 1988 eine Schauspielausbildung an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule.

Nach seiner Ausbildung spielte Eisermann am Bayerischen Staatsschauspiel und den Münchner Kammerspielen, eher er am Theater in der Josefstadt Wien in Brückners „Die Rassen“ zu sehen war.

1991 debütierte er in „Go, Trabi, Go“ auf der Leinwand. Weitere Engagements folgten, ehe er 1993 in der Rolle des Kaspar Hauser im gleichnamigen Film seinen Durchbruch schaffte.

Eisermanns Darstellung wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Darstellerpreis auf dem Filmfest von Locarno, den Bayerischen Filmpreis sowie dem Deutschen Filmpreis.

Zahlreiche weitere Rollen folgten, zuletzt etwa in der Komödie „Chaos Queen – Lügen, die von Herzen kommen“ sowie mehreren Episodenrollen in TV-Serien. seko