Atomkraft - Am 11. März 2011 zerstörte ein Tsunami Teile des Kraftwerks Fukushima. Welche Folgen hatte diese Katastrophe? Zehn Jahre nach dem Super-GAU

Lesedauer: 
Das Bild zeigt das durch ein Erdbeben am 11. März 2011 beschädigte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in der Präfektur Fukushima im Nordosten Japans. © picture alliance/dpa/Kyodo

Elektrizität ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, doch wie diese produziert werden soll, lässt bis heute Politiker auf der ganzen Welt streiten. Gerade jährte sich die Katastrophe von Fukushima zum zehnten Mal, seitdem hat sich vieles verändert – auch hier an der Bergstraße.

AdUnit urban-intext1

Erdbeben sind in Japan keine Seltenheit. Messungen zeigten, dass jedes Jahr bis zu 100 000 solcher Erschütterungen stattfinden, jedoch werden davon weniger als 1,5 Prozent vom Menschen überhaupt wahrgenommen. Nur 0,8 Prozent der Beben erreicht auf der Magnituden-Skala einen Wert von mindestens vier und selbst dieser Wert wird meist als harmlos eingestuft, da noch nicht einmal Fensterscheiben zum Vibrieren gebracht werden. Sollten jedoch mehrere Erdbeben der Stärke vier auftreten, deuten diese dann meist auf ein kommendes, starkes Beben hin.

Einstufung des Unglücks als katastrophaler Unfall

Am 11. März 2011 kam es in der Nähe der japanischen Küste jedoch zu einem Erdbeben der Stärke neun, auf dem Land würde ein Erdbeben dieser Stärke alle Häuser einer Region unbewohnbar machen, unter Wasser jedoch führen diese Erdbeben dagegen zu der Entwicklung eines Tsunamis. Dieser erreichte am 11. März eine Höhe von 14 Metern und zerstörte das japanische Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Dabei wurde eine solch große Menge an radioaktiven Stoffen ausgesetzt, dass die japanische Atomaufsichtsbehörde das nukleare Ereignis auf der internationalen Bewertungsskala mit der Höchststufe sieben (katastrophaler Unfall, Super-GAU) einstufen musste. Die Böden, die Luft und das Wasser in der Präfektur Fukushima wurden kontaminiert, 160 000 Menschen mussten evakuiert werden und selbst in der 250 Kilometer entfernten Hauptstadt fiel in den darauffolgenden Tagen radioaktiver Niederschlag.

Obgleich die Evakuierung notwendig war, führte sie zu gravierenden Folgen, Landwirte verloren ihre Höfe, Hunderttausende Tiere mussten zurückgelassen werden und verhungerten qualvoll. Es kam vermehrt zu Selbstmorden und seit 2013 steht fest, dass einige Gebiete in der Präfektur Fukushima unbewohnbar bleiben und die Entsorgungsarbeiten mehr als drei Jahrzehnte andauern werden. Während vor der Katastrophe fast jeder Japaner Atomkraft befürwortete, ist die Mehrheit inzwischen dagegen.

AdUnit urban-intext2

Rückbau des Kernkraftwerks Biblis

Doch nicht nur in Japan änderte sich die Haltung zur Stromerzeugung durch Atomkraft, in Deutschland wurde binnen einer Woche das Kernkraftwerk in Biblis stillgelegt, welches in den 1970ern zu den leistungsstärksten Kernkraftwerken weltweit gehörte. Laut des Betreibers RWE würde das Atomkraftwerk binnen 15 Jahren so weit zurückgebaut sein, dass die Anlagen aus dem Atomgesetz entlassen werden könnten. Welchen Stand der Rückbau derzeit hat, veröffentlicht RWE auf seiner Website nicht. Jedoch wird erwähnt, dass in einem ersten Schritt Teile des Kernkraftwerks in eine Fabrik umgebaut würden, welche die Reinigung und den Einbau von Abbaumaterialien erlauben würden.

Genauere Auskünfte erhält man auf der Website des BUND Hessen, welcher bereits 2017 eine Klage einreichte und ein fehlendes Gesamtkonzept kritisiert. Die Castor-Behälter befinden sich mittlerweile in einem Zwischenlager. Der BUND Hessen veröffentlichte kürzlich darüber hinaus eine Pressemitteilung zum zehnten Jahrestag der Stilllegung des Kernkraftwerks in Biblis. Darin werden die Standards im Zwischenlager des radioaktiven Atommülls angeprangert, denn dieses Zwischenlager sei vor Flugzeugabstürzen nicht geschützt und eine „heiße Zelle“ für Reparaturen sei nicht vorhanden. Insgesamt seien die Zustände beim Rückbau nicht mit dem Atomgesetz zu vereinbarn und „stellt[en] eine Gefährdung für die Bevölkerung dar.“ Zudem steht in der Kritik, dass Zehntausende Tonnen des radioaktiven Mülls als nicht radioaktiv eingestuft wurden. Dieser Müll kann daher im Wirtschaftskreislauf verarbeitet werden und letztendlich als Materialien für Brillen oder für Bauwerke verwendet werden.

AdUnit urban-intext3

Auf die Anfragen der BAnane haben sich RWE und BUND Hessen bis zum Redaktionsschluss nicht geäußert. Sophia Rhein

AdUnit urban-intext4