Bildung - Seit einem Jahr erfolgt die Lehre an Universitäten nur noch online / Ein Austausch unter den Studenten ist so kaum möglich Vom Studieren auf Distanz

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Bilder einer Vorlesung im Jahr 2019 und im Jahr 2021 könnten unterschiedlicher nicht sein. © Rhein

International gilt Deutschland als eines der reichsten Länder überhaupt. Anders als viele andere wohlhabende Länder geht der Reichtum Deutschlands jedoch nicht auf wertvolle Bodenschätze, sondern auf die hohe Bildung der Bevölkerung zurück, sodass ohne Zweifel die wichtigste Ressource unseres Landes das Wissen darstellt. Es verwundert daher kaum, dass in den Corona-Gipfeln oftmals gerade die Schulen den wahrscheinlich größten Streitpunkt darstellen, schließlich wird an dieser Stelle nicht nur über die Zukunft des Einzelnen, sondern der gesamten Gesellschaft entschieden. Doch es scheint, dass eine weitere Institution des Wissens, die Universitäten, kaum eine Rolle bei den Debatten spielen, obgleich Studieren während der Pandemie mit besonderen Herausforderungen verbunden ist.

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Nur schweren Herzens beschloss man die Schulschließungen und berichtete häufig über die Schwierigkeiten, die seit vergangenem Jahr an die Schüler gestellt werden. Zwischenzeitlich waren die Schulen längerfristig geöffnet, dann fand der Unterricht in den Abschlussklassen statt und jetzt kehren die Klassen nach und nach in den Präsenzunterricht zurück. Ganz anders sieht es an vielen Universitäten aus. Viele Studenten wurden bereits jetzt informiert, dass das nächste Semester ebenfalls in Distanzform durchgeführt wird – und das nachdem bereits zwei Semester in vielen Studiengängen komplett online stattgefunden haben.

Ein Name unter Hunderten

Die Problematik eines Onlinestudiums ist kaum mit den Zoom-Sitzungen der Schulen zu vergleichen, denn in vielen Studiengängen ist man in den Onlinevorlesungen nicht in einer festen Gruppe von circa dreißig Schülern, die sich bereits zuvor kannten, sondern nur ein Nutzername unter Hunderten. Zudem gibt es asynchrone Veranstaltungen, die ausschließlich auf der Bearbeitung von Aufgaben und Lernmodulen bestehen, sodass man nicht einmal erfährt, ob die Veranstaltung von zehn oder zweihundert Studenten belegt wird.

Der Austausch unter den Studenten ist in einem Massenfach somit praktisch unmöglich. Besonders schwer ist die Situation für die Erstsemesterstudierenden, die keine Möglichkeit haben, überhaupt zu wissen, wer denn sonst das eigene Studienfach studiert. Die bei vielen so beliebten Lerngruppen sind seit vergangenen März Geschichte, was dazu führt, dass vielen Studenten eine wichtige extrinsische Motivationsquelle wegbricht, zumal bereits der komplette soziale Kontakt als Motivation wegfällt.

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Manche Studenten freuen sich über die aktuelle Situation an den Unis, da die Zeiteinteilung oftmals völlig individuell möglich ist, andere leiden unter den fehlenden Routinen, die normalerweise mit einem Uni-Tag verbunden sind.

Das Studium ist zudem eine Zeit, in der viele Studenten auf Nebenjobs in Cafés oder im Freizeitsektor angewiesen sind, durch Corona jedoch ist diese Einnahmequelle versiegt.

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Im Rahmen der Corona-Gipfel wurde oft debattiert, ob die Abschlussprüfungen an den Schulen an die besondere Situation angepasst werden sollten. An den meisten Unis dagegen sind die Prüfungsanforderungen gleichwertig geblieben, dies ist zwar einerseits zu begrüßen, da ein Hochschulabschluss gewisse Kompetenzen voraussetzt, jedoch ist das Festhalten an den Prüfungsstandards gleichzeitig gerade bei praktischen Fächern, die eigentlich Präsenzübungen voraussetzen würden, zum Nachteil des Studenten.

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Zudem wurden in einigen Studiengängen viele Klausuren durch Hausarbeiten ersetzt, sodass für eine große Anzahl der Studenten ein erheblicher Mehraufwand entstanden ist.

Es ist wichtig, dass zukünftig Studenten eine größere Rolle bei den Corona-Gipfeln spielen, denn während die Schüler über das Übermorgen des Landes entscheiden, sind es die Studenten, die das Morgen prägen werden. Sophia Rhein