Einwurf - Skifahren in Corona-Zeiten? BAnane-Mitarbeiterin Anna-Lena findet, dass das keine gute Idee ist / Über die Gefahren, die damit verbunden sind Trotz Lockdown sind Österreichs Skipisten geöffnet

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Ich kann das Land Österreich nicht verstehen. Auf der einen Seite befindet es sich gerade im dritten Lockdown. Dort schließt wiederholt alles, Kinder müssen von zu Hause aus lernen und Eltern ins Homeoffice wechseln, was nicht immer einfach miteinander zu verknüpfen ist. Die ältere Generation möchte ich natürlich nicht vergessen – für sie ist die ganze Situation auch sehr anstrengend. Und Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz fordert die Bevölkerung dazu auf, das Haus nur noch aus dringenden Gründen zu verlassen. Auf der anderen Seite öffnen sie die Skigebiete und wundern sich über den Massenansturm. Der, wenn wir mal ehrlich sind, vorprogrammiert war.

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Auch in Deutschland würden viele Menschen gerne die Skigebiete öffnen, doch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder halten aus bekannten Gründen dagegen. Und die meisten Menschen halten sich auch hier bei uns an der Bergstraße an die Regeln. Doch ich glaube, wenn Menschen in dieser besonderen Situation, in der die Freiheit jedes einzelnen durch die verhängten Lockdowns eingeschränkt ist, eine Chance bekommen, wieder ein Stück ihrem Hobby – dem Skifahren – oder etwas anderem nachgehen zu können, werden viele diese Chance nutzen.

Egal, wie weit Kurz an die Eigenverantwortung der Bürger appelliert, so hat er den Skifahrern mit der Öffnung der Pisten eine Chance geboten und in meinen Augen so das falsche Signal gesendet. Zumal es auch egal ist, ob wir über Tagestouristen oder Einheimische reden. Fakt ist und bleibt: Bei diesen Menschen-Massen können weder Abstands- noch Hygienekonzepte durchgesetzt werden. Und das alles passiert in Zeiten, in denen die Lage auf Intensivstationen im In- und Ausland sehr angespannt ist.

Es heißt doch immer: „Nur gemeinsam schaffen wir es aus der Krise.“ Mit egoistischen Pisten-Öffnungs-Alleingängen trägt man jedoch nicht dazu bei, sondern verschlimmert die Lage womöglich noch. Getreu dem Motto „Komme, was wolle“, um nicht die Einnahmen, die so eine Saison mit sich bringt, zu verlieren. Wie man sieht, haben sie nicht viel oder gar nichts aus dem Ischgl-Fiasko gelernt. Wenn die Ski-Saison tatsächlich durchgeboxt werden sollte, wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis Ischgl 2.0 entstehen wird.

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Und wenn es soweit kommen sollte, wird nicht nur das Land ein Problem bekommen, sondern dieses Problem wird sich auch auf die Welt abfärben. Und wollen wir das wirklich? Anna-Lena Geiß