Corona I - Ob in Augenblick Präsenzunterricht für Abschlussklassen die richtige Wahl ist, darüber sind sich Politiker und Schüler uneinig Schüler finden Unterricht im Wechsel besser

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Aktuell setzen Lehrer an Schulen gerne einmal auf einen Film zu einem bestimmten Thema. So kann ihn die eine Gruppe ansehen und die andere kann parallel ein anderes Thema bearbeiten. © Mautry

Seit zwei Wochen sind die Bensheimer Schulen wieder für die Abschlussklassen geöffnet. Die Bundesregierung legt viel Wert darauf, dass diese weiterhin unterrichtet werden, damit sie bestmöglich auf ihre diesjährigen Abschlussprüfungen vorbereitet werden können. Wie der Schulalltag trotz der hohen Fallzahlen des Corona-Virus abläuft und wie sich die Schulen angepasst haben, lässt aber oftmals zu wünschen übrig.

Parallelunterricht wird bemängelt

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Die Schulen agieren aktuell in den Abschlussklassen im Parallelunterricht. Das bedeutet, dass die Anzahl der Schüler in ihren Kursen geteilt wird, also nur halb so viele Personen sich zeitgleich in einem Raum aufhalten. Diese befinden sich dann stattdessen in zwei nebeneinanderliegenden Klassenräumen. Problematisch hieran ist allerdings, dass die Lehrkraft nun zwischen den beiden Räumen pendeln muss. Manchen gelingt dies gut durch die Ernennung eines Schülers als „Hilfslehrer“, der die andere Gruppe beaufsichtigt oder man die andere Gruppe einfach einen Film zum Thema schauen lässt. Doch gerade in Fächern wie Mathematik oder Politik und Wirtschaft, in dem der Lehrer viel erklärt beziehungsweise viel Input geliefert wird, führt dies an manchen Tagen dazu, dass in den Köpfen der Schüler immer mehr Fragezeichen entstehen, da die Lehrer keine Zeit haben, es vielleicht noch ein zweites Mal zu erklären.

Dies ist keinesfalls die Schuld der Lehrer, da diese es meist nicht besser machen können. Viele Schüler forderten schon zu Schulbeginn wieder den Wechselunterricht. Ob tage- oder wochenweise, diese Methode wurde von den meisten als sinnvollsten betitelt. So hat die Lehrkraft nämlich Zeit, sich nur mit einer der Gruppen zu befassen, dass zwar seltener, dafür aber intensiver.

Halbe Klassen, aber gemeinsame Pausen und Fluraufenthalte

Problematisch ist es auch, dass man trotzdem in den meisten Klassen mit mehr als zehn anderen Menschen in einem Raum sitzt. Zwar wird gelüftet, dies aber auch nur in einem 20-Minuten-Rhythmus, was das Virus selbst nicht unschädlich macht. Das Ziel der geteilten Klassen ist es, bei einer Infektion nicht den ganzen Jahrgang nach Hause schicken zu müssen, sondern nur die Hälfte. Prinzipiell ist dies kein schlechter Ansatz. Doch durch die gemeinsamen Hofpausen und das Warten auf den doch recht engen Schulfluren kommen beide Gruppen immer wieder miteinander in Kontakt. Ersteres lässt sich noch eher vermeiden als Letzteres, ist aber auch weniger gefährlich, da man an der frischen Luft steht und Abstand halten kann. In einem Schulflur, in dem mehrere Klassen unterrichtet werden, ist dies nicht immer der Fall.

Es gibt viele kreative Lösungswege

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Viele Lehrer greifen durch die aktuelle Situation zu kreativen Lösungen. So lassen sie ihre Klassen in zwei Räume, die durch eine Trennungstür verbunden sind oder auf dem Flur gegenüber liegen. Dann stellen sie sich einfach zwischen die zwei Räume und sprechen lauter, sodass sie nicht alles zwei Mal erzählen müssen. Auch lassen manche Lehrer Filme oder Hörbücher vorspielen und besprechen diese dann im Nachhinein mit der jeweiligen Gruppe, während die andere dann den Film schaut. Auch werden Videokonferenzen von dem einen in den anderen Raum übertragen oder es wird ein „Hilfslehrer“ ernannt, der den Unterricht nach den Vorgaben des Lehrers führt. Dieser nimmt dann Wortmeldungen der Schüler auf und arbeitet mit ihnen zusammen dann beispielsweise ein Handout oder eine Zusammenfassung zu einer vorher gegebenen Aufgabe aus, die der Lehrer dann mit dem Kurs zusammen am Ende bespricht. Marco Mautry