Interview II - Die Jungwinzerin Charlotte Freiberger im BAnane-Interview / Keine Weinlagenwanderung, aber Online-Weinproben

Junge und erfahrene Winzer packen in der Krise gemeinsam an

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Charlotte Freiberger (links) ist die Jungwinzerin in der Familie. Die Kombination aus neuen Ideen mit Erfahrung und Rückhalt sind für Sie im Team entscheidend. © Geiß

Corona verändert erneut die diesjährige Weinlagenwanderung und den Weinfrühling. Wie die Jungwinzerin Charlotte Freiberger (kleines Bild), die im Familienweingut in Heppenheim arbeitet, die Situation erlebt und welche neuen Ideen durch die Pandemie entstehen, um den Menschen trotzdem den Wein präsentieren zu können, berichtet sie im Interview mit der BAnane-Jugendredaktion.

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Wie lange sind Sie bereits Jungwinzerin tätig und wie kamen Sie zum Wein?

Charlotte Freiberger: Ich habe 2016 meinen Master of Science in Weinbau, Önologie und Weinwirtschaft abgeschlossen und bin seitdem in unserem Familienweingut für den Weinausbau und die Pflege der Weinberge zuständig. Aufgewachsen bin ich in unserem Familienweingut, so dass mir der Beruf von klein auf vertraut war. Ich war schon immer gerne in der Natur und liebe die Abwechslung. Da ist der Beruf des Winzers genau richtig, denn es ist der einzige, bei dem selbst seinen Rohstoff, die Trauben, für das fertige Produkt, den Wein, erzeugt und es dann auch noch selbst vermarktet. Man hat alles selbst in der Hand.

Wie ist der Werdegang des Weines, bis er in die Flasche kommt?

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Freiberger: Die Trauben werden nach der Ernte in einer Presse ausgepresst und der Saft in einem Tank gesammelt. Dort wird er vorgeklärt, heißt das alle Trübstoffe entfernt werden und ein klarer Saft entsteht. Diesem wird Hefe zugesetzt. Diese vergärt den vorhandenen Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid (Gas). Das Gas entweicht aus dem Saft. Ist der Zucker vollständig in Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt, haben wir einen Jungwein. Dieser wird noch einige Monate im Keller gelagert. Kurz vor der Füllung wird der Wein filtriert, um die Hefe zu entfernen. Dann wird er in Flaschen gefüllt und verkauft.

Coronabedingt fällt erneut die diesjährige Weinlagenwanderung aus. Entstehen durch die Pandemie auch neue Ideen, wie man den Leuten den Wein vorstellen kann?

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Freiberger: Sicher entstehen neue Ideen, so werden zum Beispiel Online-Weinproben angeboten, in denen man Wissenswertes über Wein, Region und Winzer erfahren kann. Neben solchen Live-Events sind auch Videos, die im Internet veröffentlicht werden, relevant. In diesen Videos werden beispielsweise Weine vorgestellt oder andere Themen erörtert, so dass man jederzeit auf Informationen zu bestimmten Weinen und Winzern zurückgreifen kann.

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Wie schauen Sie dem Weinfrühling 2021 entgegen?

Freiberger: Der Weinfrühling 2021 wird ein ganz anderer, als wir ihn gewohnt sind. Wir werden uns hauptsächlich auf virtuelle Veranstaltungen konzentrieren. Es wird jedoch wie bei einem „normalen“ Weinfrühling gemeinsame Aktionen geben, die den Weintreff und auch die Weinlagenwanderung ersetzten sollen. So sind zwei Online-Weinproben geplant, in denen jeweils neun – also insgesamt 18 – verschiedene Winzer jeweils einen Wein präsentieren. So zeigen wir, dass wir auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Trotz der räumlichen Distanz, die wir zurzeit leider wahren müssen, lässt uns das im Herzen enger zusammenrücken.

Würden Sie sich mehr junge Menschen in dem Bereich wünschen?

Freiberger: An der hessischen Bergstraße findet gerade ein Generationswechsel statt. Es gibt in vielen Betrieben junge Leute, die die Nachfolge antreten. Manche haben gerade erst angefangen und ihr eigenes Weingut gegründet. Da kommen viele neue Ideen und werden umgesetzt. Trotzdem ist es schön, auf die Erfahrung und den Rückhalt der älteren Generation zurückgreifen zu können. Das beides zusammen bringt uns insgesamt nach vorne und ergibt eine schöne Gemeinschaft. Anna-Lena Geiß