Natur - Klimawandel und Schädlinge bedrohen auch den Forst an der Bergstraße und im Odenwald / Allein durch das Pflanzen neuer Bäume ist es nicht getan

Drei Viertel des Waldes sind krank

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Eine schöne Kindheitserinnerung ist ein Spaziergang durch den Wald hoch zum Melibokus. Ich erinnere mich noch sehr genau an das satte Grün und die Lebendigkeit des Waldes. Heute gehört dies an vielen Stellen in der Nähe des Melibokus leider nur noch der Vergangenheit an, denn auch hier an der Bergstraße und im Odenwald stirbt der Wald.

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Waldsterben gab es in der Vergangenheit bereits mehrfach, wie der Naturschutzbund (Nabu) berichtet). Schon im 18. Jahrhundert beschäftigte man sich mit der Rettung des Waldes, welcher durch Abholzung immer weiter abnahm und auch in den 1980er-Jahren ging es dem Wald durch sauren Regen, welcher auf Abgase zurückzuführen war, schlecht.

Die heimischen Bäume leiden

Satt gesunder Bäume sind in den Wäldern Deutschlands immer mehr Kahlflächen zu finden. © Rhein

1984 war ein Drittel des Waldes vom Waldsterben betroffen, allen voran die Nadelbäume, wie Fichten und Tannen. Gerettet werden konnte er damals durch die Einführung neuer Filteranlagen, bleifreiem Benzin und Katalysatoren. Heute stirbt der Wald dagegen durch die Globale Erwärmung, die eng im Zusammenhang mit Extremwettern wie Stürmen, Hitze, Trockenheit und der Ausbreitung des Schädlings Borkenkäfer steht. Durch die Aneinanderreihung eines Rekordjahres an das nächste, ist in den vergangenen drei Jahren der Wald in einem noch nie da gewesenen Ausmaß und Tempo gestorben, da die heimischen Bäume nicht an die sich verändernden Bedingungen angepasst sind.

Ein Teufelskreis mit Folgen

Auch diesmal sind insbesondere Nadelwälder betroffen, doch schon jetzt sind zahlreiche Mischwälder in Gefahr. Das rasante Waldsterben bedingt zudem, dass weniger CO2 im Boden gespeichert werden kann, dieses CO2 trägt wiederum zu einer Verschärfung der globalen Erderwärmung bei und somit zum Waldsterben.

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Bei einer Waldbestandserhebung im Jahre 2019 zeigte sich, dass 30 Prozent der Fläche Deutschlands mit Wald bedeckt sind, drei Viertel des Waldes sind jedoch in einem schlechten Zustand, die Bäume kämpfen gegen die Trockenheit und/oder Schädlinge.

Bei manchen Wäldern sind die Schäden deutlich sichtbar. Indem beispielsweise ganze Kahlflächen aufzufinden sind, die insgesamt 75 Prozent der Größe des Saarlands ausmachen, oder die Bäume hoch oben in den Kronen kaum noch Blätter tragen.

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Doch selbst ein auf den ersten Blick vielleicht gesund aussehender Wald kann schwer erkrankt sein. Dieser Teufelskreis aus Klimawandel und Waldsterben hat dramatische Folgen für Mensch und Natur zugleich.

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Lebensräume gehen verloren

Unzählige Waldbewohner stehen unmittelbar davor, ihren Lebensraum zu verlieren. Denn vor allem alte Bäume, die besonders für den Erhalt der Ökosysteme relevant sind, reagieren besonders empfindlich auf den Klimawandel und sterben.

Doch auch für den Menschen hat das Waldsterben einen hohen Preis, neben dem Verlust von Naherholungsräumen, hat der Wald eine besondere Bedeutung für unsere Wirtschaft. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland arbeiten im, mit oder um den Wald, also deutlich mehr Menschen als in der Automobilindustrie.

Um unsere Wälder zu retten, reicht es jedoch leider nicht, einfach neu aufzuforsten. Denn die Aufforstung ist nicht nur mit enormen Kosten verbunden, derzeit zahlt der Bund 480 Millionen Euro jährlich, sondern darüber hinaus auch ungewiss, niemand kann voraussehen, wie sich das Waldsterben in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.

Daher ist es neben den Aufforstungsprojekten unerlässlich, genau zu erforschen, welche Zusammenstellungen der einzelnen Baumarten, an welchen Stellen besonders widerstandsfähig sind.

Eine große Aufgabe und viel Arbeit

Gleichzeitig ist das Waldsterben mit einem erheblichen Arbeitsaufwand für die Waldarbeiter verbunden.

Zum einen wird der in 1990er-Jahren begonnene Waldumbau immer dringlicher, um das Schlimmste zu verhindern, zum anderen stellen tote Bäume eine Gefahr dar, wenn sie aufgrund eines Schädlingsbefalls starben.

Schnellstmöglich muss das Holz dann abtransportiert werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Es ist fünf vor zwölf, wir müssen jetzt endlich etwas gegen den Klimawandel tun. Vor allem auch, um unsere geliebte Kulturlandschaft, den Wald, vor weiteren Schäden zu bewahren. Damit wir ihn nicht verlieren. Sophia Rhein