Corona III - Präsenzunterricht ist notwendig, damit leistungsschwache Schüler nicht hinten über fallen / Leisungsstarke Schüler verlieren so die Lust am Lernen „Die Klasse wiederholen ist keine Lösung für alle“

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Eine Plexiglaswand trennt in einer Nachhilfeschule beim Mathematikunterricht Schüler und Lehrer. © dpa

Corona hat unser Leben von Grund auf geändert. Geburtstagsfeiern sind plötzlich verboten, Läden geschlossen und in öffentlichen Gebäuden herrscht eine Vermummungspflicht, all das war vor einem Jahr noch undenkbar. Doch während sowohl seitens der Bevölkerung als auch seitens der Politik der Zuspruch zu diesen Maßnahmen hoch ist, streiten sich die Gemüter über die Bildungsfrage.

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Seit März vergangenen Jahres ist die Schule nicht mehr die gleiche. Lehrern und Eltern ist inzwischen längst bewusst, dass die Online-Maßnahmen keinen Ersatz zum Präsenzunterricht darstellen und Eltern eben keine Lehrer sind, sodass bei den meisten Schülern über die Monate riesige Defizite entstanden sind. Viele dieser Lücken sind kaum noch aufzuholen.

Daher hagelt es derzeit an Vorschlägen, wie mit den Schulen weitergehandhabt werden soll. Letzte Woche äußerte Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, alle Schüler (auch in den Abschlussjahrgängen) sollten eine Klasse wiederholen. Doch dieser Vorschlag ist meiner Meinung nach alles andere als sinnvoll. Denn die Annahme, dass alle Schüler Lücken hätten, entspricht nicht der Realität. Einerseits können einige Schüler sehr gut eigenständig lernen, andererseits sind Nachhilfeinstitute derzeit sehr gefragt – und in Hessen auch gestattet. Folglich ist das eigentliche Problem, die immer größer werdende Schere zwischen den leistungsstarken und den leistungsschwachen Kindern und Jugendlichen.

Motivation schwindet bei einigen

Starke Schüler damit zu bestrafen, dass sie sitzen bleiben müssen, würde ihre Motivation bremsen und nicht zu ihren Gunsten ausfallen.

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Es ist daher notwendig, dass die Schulen wieder mehr in den Präsenzunterricht einsteigen, um den schwachen Schüler aus Haushalten, die sich keine Nachhilfe leisten können, ihr Recht auf Bildung zu gewährleisten. Tatsächlich sind die Regeln in Hessen bezüglich der Schule weitaus liberaler als gedacht und es wäre deutlich mehr Präsenzunterricht gestattet. Impft die Lehrer und beginnt mit dem Unterricht, denn sonst werden die sozialen Disparitäten in Deutschland nur noch weiter verfestigt, es Zeit, an die Zukunft junger Menschen zu denken. Sophia Rhein