Interview - Jannis Schneider von der BKG berichtet von seinen Erfahrungen während der Fastnachtssaison 2020/21 „Bensem Eijo“ – geht auch digital

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Das Bild zeigt Jannis Schneider bei der Aufnahme seiner Büttenrede für die Online-Sitzung der BKG. © Schneider/Geiß

Corona verändert auch die Karnevalskampagne 2020/21. Sitzungen und Umzüge, so wir es aus der Vergangenheit kennen, gab es dieses Jahr in vielen Städten nur virtuell. Wie ein aktiver Fastnachter die Situation erlebt, berichtet Jannis Schneider. Er ist seit vielen Jahren als Büttenredner bei der Bensheimer Karnevals Gesellschaft (BKG) aktiv. Im Interview berichtet er, wie er zum Büttenredner wurde, wie viel Arbeit er jeweils in seine Reden steckt und welche neuen Ideen, die im Verein durch die diesjährige Onlinekampagne entstanden sind, für die Zukunft beibehalten werden sollen.

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Wie lange bist Du schon bei der BKG aktiv?

Jannis Schneider: Ich bin schon seit 13 Jahren in der BKG aktiv. Angefangen habe ich mit fünf Jahren bei den „Smarties“, der jüngsten Tanzgruppe der BKG. Danach besuchte ich das Kinderballett. Dann führte mich mein Weg weiter zu den Trommlern, den „Landesknechten“. Zu diesem Zeitpunkt stand ich auch schon das erste mal als Büttenredner auf der Bühne des BKG.

Wie viel Zeit musst Du in deine jeweiligen Reden investieren?

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Jannis: Die Arbeit für eine Rede beläuft sich pro Fasnachtssaison auf ein paar Wochen. Sie kann sich aber auch über mehr als einen Monat strecken. Manchmal ist es einfacher und manchmal schwerer, eine Rede zu schreiben und einzustudieren.

Wie und wo entstehen Deine Büttenreden? Sind sie lange geplant oder kommen Dir spontane Ideen?

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Jannis: Die groben Ideen für meine Reden sammeln sich über das Jahr hinweg an. Diese festigen sich bei unserem Vortragenden-Treffen, wo wir Ideen und Anreize austauschen.

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Wie viele Auftritte hast Du normalerweise während einer Kampagne?

Jannis: Neben einer Stell- und Generalprobe hält die BKG im Kolpinghaus vier Sitzungen pro Fasnachtssaison ab. Außerdem organisiert der Verein normalerweise immer an Faschingsdienstag eine Kinderfastnacht. Hierzu kommen der Fastnachtsumzug in Heppenheim und der Winzerfestumzug in Bensheim sowie die Eröffnung der Kampagne.

Corona verändert auch den Karneval 2021. Keine Umzüge, keine Sitzungen oder nettes Zusammensein. Wie hättest Du eine Absage empfunden? Und wie froh bist Du, dass ihr als Verein eine Onlinelösung gestellt habt?

Jannis: Ich hatte eigentlich fast damit gerechnet, dass durch die Pandemie unsere Fastnacht dieses Jahr komplett entfällt. Dem Fastnachter in mir hätte dies sehr wehgetan. Deshalb bin ich umso erfreuter, dass wir eine Onlinelösung auf die Beine stellen konnten.

Sind durch die diesjährige Onlinekampagne neue Ideen für die Zukunft entstanden? Werdet Ihr etwas beibehalten?

Jannis: Dieses Jahr war unsere Online-Sitzung etwas ganz Neues. Jeder Akteur musste sich auf diese neue Situation erst mal einstellen. Wir hoffen natürlich alle, dass wir nächstes Jahr wieder gemeinsam auf der Bühne stehen können. Dennoch denke ich, dass wir durch die Organisation auf Distanz sehr viel dazu gelernt und unseren Vereinszusammenhalt gestärkt haben. Der eigens für unsere Online-Sitzung gebildete „digitale Ausschuss“ ist da ein gutes Beispiel. Die Digitalisierung unseres Vereines werden wir bestimmt beibehalten. Unser Instagram-Account @tillvunbensem ist durch die Online-Sitzung sehr gewachsen. Dort werden wir weiterhin sehr aktiv bleiben.

Wo wurde Dein Auftritt für die Online-Sitzung gedreht?

Jannis: Die Rede wurde im Bensheimer Stadtpark aufgenommen und fotografiert.

Wie schwer ist es, sein Programm auf einer leeren Bühne ohne Zuschauer abzuspielen? Welche Gedanken und Gefühle gingen Dir da durch den Kopf?

Jannis: Normalerweise erhält man – trotz der normalen Aufregung – durch das Publikum eine gewisse Sicherheit. Während des Vortrags gibt es einem durch Lacher und die generelle Stimmung Rückmeldung, wie der Vortrag ankommt. So kann man auf der Bühne manchmal flexibel reagieren, um eine gute Rede zu präsentieren.

Bei einem Vortrag ohne Publikum denkt man während und nach dem Vortragen nach, ob es gut angekommen ist oder ob ein Griff nicht so gesessen hat. Es ist auch noch mal ein Unterschied, ob man eine Büttenrede live auf einer Fastnachtssitzung hört oder sie sich von daheim auf der Couch anschaut. So hoffe ich natürlich, den Erwartungen der Zuschauer zu entsprechen.

Ich stelle mir vor, dass es schwierig war, Emotionen, Mimik und Humor rüberzubekommen? Wie war das für Dich?

Jannis: Koordiniert hat die Aufnahmen Mathias Braun, welcher ein sehr erfahrener Büttenredner ist. Er stellt seit vielen Jahren die Traditionsfigur „Till vun Bensem“ und konnte mir durch seine Erfahrungen als Büttenredner nach meinen Testaufnahmen ein sofortiges Feedback und Tipps geben. Dadurch wurde es für mich leichter einzuschätzen, wie mein Auftritt hinter der Kamera ankommt.

Zur Person: Jannis Schneider ist bereits seit 13 Jahren bei der Bensheimer Karnevals Gesellschaft aktiv. Der 18-jährige Heppenheimer absolviert aktuell eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK bei der Firma Herbert in Bensheim.

Tipp: Wer sich die Sitzung der Bensheimer Karnevals Gesellschaft abschauen möchte, kann dies bei YouTube tun. Anna-Lena Geiß