Corona I - Die Frankfurter Psychologin Karin Lingg gibt Tipps, was man bei psychischen Problemen in Zeiten von Corona tun kann Bei vielen leidet derzeit die Psyche

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(Bild: Eck)
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Existenzängste, Einsamkeit, Machtlosigkeit – seit nun mehr als einem Jahr beeinflusst die Corona-Krise unser aller Leben. Nachdem die Maßnahmen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 über die Sommermonate gelockert wurden, befinden wir uns seit Ende des vergangenen Jahres in einem erneuten Lockdown. Diese Situation macht allen Menschen zu schaffen und löst auch bei vielen mit der Zeit psychische Probleme und Belastungen aus.

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Wir von der BAnane Jugendredaktion haben über dieses Thema mit der Psychologin und Psychotherapeutin (Master of Science Psychologie) Karin Lingg gesprochen und außerdem einige Jugendliche befragt, wie sie mit der aktuellen Situation zurechtkommen und ob ihnen Corona aufs Gemüt schlägt.

Frau Lingg sind zu Ihnen in den vergangenen Monaten mehr Menschen gekommen, weil sie sich durch den Lockdown und die Corona-Krise psychisch belastet fühlen?

Karin Lingg: Die Nachfrage nach Therapieplätzen ist schon vor der Corona-Krise sehr hoch gewesen und auch in den vergangenen Monaten Corona-bedingt weiter angestiegen. Leider können wir durch diese hohe Nachfrage nicht allen Menschen sofort Hilfe anbieten. Momentan melden sich bei mir auch viele Menschen, die schon psychische Vorerkrankungen haben oder bereits positive Erfahrungen mit einer Therapie gemacht haben.

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Sind es besonders bestimmte Altersgruppen, die psychisch mit der aktuellen Situation zu kämpfen haben und welche Probleme und Sorgen treten dabei am häufigsten auf?

Lingg: Der Anstieg von psychischen Belastungen betrifft alle Altersgruppen. Viele Menschen haben in den Wintermonaten durch Kälte und Dunkelheit ohnehin schon mit Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit zu kämpfen. Inzwischen gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass besonders jüngere Menschen unter der aktuellen Corona-Situation leiden. Dies liegt einerseits daran, dass jüngere Menschen oft noch nicht so viel Lebenserfahrung haben, um mit schwierigen Situationen gut umgehen zu können. Aber auch der Alltag wird bei jüngeren Menschen oft stärker durch Homeoffice oder Homeschooling verändert, als dies bei älteren der Fall ist.

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Die Probleme und Sorgen der Menschen in der aktuellen Zeit sind ganz unterschiedlich. Während Familien häufig mit Überlastung zu kämpfen haben, sind Alleinstehende und Ältere häufig von Einsamkeit betroffen. Für Kinder und Jugendliche ist es besonders der Kontaktmangel und fehlende Beschäftigung, die zu Belastungen führen. Außerdem haben viele auch mit Themen wie Konflikten oder sogar Gewalt in der Familie und Partnerschaft, Selbstwertproblematik, Existenz- und Krankheitsängsten zu kämpfen.

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Haben Sie Tipps, wie man sich selbst in der Zeit des Lockdowns um die mentale Gesundheit kümmern kann?

Lingg: Es gibt viele Möglichkeiten, um möglichst stabil durch diese schwierige Phase zu kommen. Sehr hilfreich ist dabei eine geregelte Tagesstruktur, genügend Bewegung auch an der frischen Luft oder die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte, beispielsweise über das Telefon oder online.

Des Weiteren sollte man darauf achten, nicht zu viel Zeit vor elektronischen Geräten zu verbringen, sondern lieber kreativeren Beschäftigungen nachzugehen, wie beispielsweise kochen oder handwerkeln. Außerdem ist es wichtig, gut auf sich zu achten, das heißt trotzdem eine regelmäßige Körperpflege zu betreiben und sich selbst etwas Gutes zutun.

Rund um die Uhr sind Ansprechpartner erreichbar

Die aktuelle Situation geht also an vielen Menschen nicht spurlos vorbei. Wem es momentan ebenfalls nicht gut geht, kann sich beispielsweise bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr unter der Nummer 0800/ 1 11 01 11 oder bei der Stiftung der deutschen Depressionshilfe (0800/3 34 45 33) melden und über aktuelle Probleme sprechen. Im akuten Notfall (zum Beispiel bei Suizidalität) sollte man sich direkt an die 112 richten. Mia Eck (Bild: Eck)