Wirtschaft: Kurzarbeit, Lohnverzicht, Entlassungen und Pleiten - die Industrie, vor allem die Kfz-Hersteller, leiden Autobauer in der Krise - was nun ?

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Günter Verheugen, der Vizepräsident der Europäischen Kommission, schätzte die Ausmaße der Krise in der Automobil-Industrie im Januar als "brutal schlecht" ein. Bis jetzt hat sich nicht viel an der Gesamtsituation gebessert: Die Medien berichten beinahe jeden Tag von Kurzarbeit, Entlassungen und schlechten Verkaufszahlen. Alle Automobilkonzerne leiden besonders unter dieser Wirtschaftskrise. Trotz Abwrackprämie und steuerlicher Vorteile für Käufer von Neuwagen ist der Automarkt gesättigt.

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Besonders stark zu spüren bekam das der US-amerikanische Automobilkonzern General Motors. GM hat im Jahr 2007 die größten Verluste seit der Gründung des Konzerns 1908 erlitten. Seit 2008 droht GM die Insolvenz, da der Absatz an Autos während der Finanzkrise immer weiter abnimmt. Auch die Existenz von Opel, der deutschen Tochter dieses Konzerns, ist in großer Gefahr. Nachdem schon 2007 eine negative Entwicklung zu beobachten war, hat der Aufsichtsrat der Opel GmbH vor knapp zwei Wochen (27. Februar) das Zukunftskonzept für die Schaffung einer "europäischen selbstständigen Geschäftseinheit" vorgelegt. Die Abnabelung vom Mutterkonzern General Motors würde eventuell eine Chance bieten, den deutschen Automobilkonzern zu retten.

Für die Rettung wird jedoch vor allem die Hilfe des Staates diskutiert. Deshalb wird nun zwischen Opel-Management und Bundesregierung über ein Rettungspaket verhandelt. Dieses wird jedoch von Experten sehr kritisch bewertet. Der Plan der Firmenleitung sieht vor, aus Opel und den europäischen Schwesterunternehmen Vauxhall und Saab eine rechtlich selbstständige Gesellschaft zu machen; diese soll aber nicht völlig unabhängig vom Mutterkonzern General Motors sein.

Unklar ist jedoch, welche Aufgaben die einzelnen Werke künftig übernehmen sollen. Dies bedeutet vor allem weiterhin Bangen für die rund 25 000 deutschen Opel-Mitarbeiter, von denen rund 18 500 allein im Standort Rüsselsheim beschäftigt sind. Denn ob Fabriken geschlossen oder Mitarbeiter entlassen werden, bleibt ebenfalls ungewiss.

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Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind nur wenige Details bekannt. Sicher ist aber, dass Opel für dieses "Rettungskonzept" von der Bundesregierung um mehr als drei Milliarden Euro Unterstützung bittet.

Auch die Mitarbeiter sollen finanzielle Mittel beisteuern, indem sie Lohnkürzungen akzeptieren. Vor allem aber hofft Opel, die nahezu bankrotte Mutter General Motors werde weitere drei Milliarden Euro beisteuern, um das Überleben ihrer Tochter zu sichern.

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Eine Pleite von Opel würde das ganze Land erschüttern. Es wäre die größte Insolvenz in dieser Krise und zugleich das Ende eines Traditionskonzerns.

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Der Druck der Wähler, Opel zu erhalten, ist groß - und damit die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat doch noch Geld geben wird. Doch die Aussagen der Regierung sind ebenfalls undeutlich. Man fordert vom Autobauer ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell, denn ohne einen Plan können auch die Milliarden Steuergelder den Konzern nicht retten. Alles in allem ist hier noch nichts sicher, das Schicksal der Adam Opel GmbH bleibt eine Hängepartie. Benita Schader und Vanessa Vogel