Pop - Der Speyerer Liedermacher Ulrich Zehfuß präsentiert sein zweites Soloalbum „Erntezeit“ Im Moment zwischen Glück und Melancholie

Von 
Martin Vögele
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Veröffentlicht ein neues Album: der Liedermacher Ulrich Zehfuß. © Thommy Mardo

Speyer. Im Englischen gibt es einen schönen Begriff, um dieses Phänomen treffend zu beschreiben: das Verb „to linger“. Es meint ein Nachklingen und Verweilen, etwa wie bei einem Parfüm, das als Hauch im Zimmer verbleibt, wenn sein Träger schon gegangen hat. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Stimme von Ulrich Zehfuß, die markant brüchig und ein wenig zerkratzt im Transitraum zwischen Erzählung und Gesang pendelt. Ihre Wirkung endet nicht, wenn der Song vorbei ist, vielmehr vibriert sie noch einige Momente darüber hinaus, eine Erfahrung, die sich im Prinzip auf sein ganzes Album „Erntezeit“ übertragen lässt: Nachdem es mit dem 14. Song „Alleine für dich“ endet, verharrt man unwillkürlich und hört in die Stille hinein.

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Der Speyerer Sänger und Gitarrist veröffentlicht den neuen Langspieler ziemlich genau fünf Jahre nach seinem (sehr gelungenen) Solo-Debüt „Dünnes Eis“ – wobei knapp die Hälfte der „Erntezeit“-Songs bereits vorab im Rahmen eines digitalen Songkalenders erschienen sind. Zehfuß hat hierfür ein formidables Ensemble versammelt, darunter auch Weggefährten aus seiner 17-jährigen Zeit mit der Folk-Rock-Band BUNT: Matthias Debus und Dirk Blümlein am Bass, Christian Huber am Schlagzeug, Martin Meixner (Orgel), Andreas Viehöver (Tasten) Pirmin Grehl (Flöte), Johannes Stange (Trompete) und Christoph Stadtler (Gitarre). Wohldosiert eingesetzte Unterstützung am Mikrofon geben Dota Kehr (vormals Kleingeldprinzessin) sowie Melanie Haag und Dania König, produziert wurde das Album wieder von Mathias Kiefer, der darauf auch zur Gitarre greift.

Entstanden ist ein intimes Singer-Songwriter-Album, das sich nah am Hörer hält, das von Wärme und poetischer Melancholie durchdrungen ist, wie bei „Die Hand im Haar“; das sich bei allen vorbeiziehenden Grauschleiern lebendig anfühlt wie bei „Schwimmer in den Wellen“ und das mit einer beschwingten Schwere besticht, wie es sonst Element of Crime und nicht sehr viele andere hinbekommen („Komm’, sprich mit mir“).

Schmerzlich und wehmütig

„Hak’ Dich ein“ erinnert mit seinem spröden Charme an ein frühes Carla-Bruni-Chanson, und „Bei Freunden über Nacht“ ist eine kleine hoffnungs-sprudelnde Hymne, die einem den Corona-Blues aus den Knochen treibt. In „Samuel D“ singt Zehfuß dagegen vom Abschiednehmen, unprätentiös, schmerzlich und wehmütig – es ist das vielleicht intensivste Lied einer Platte, die einen ein bisschen glücklich und ein bisschen traurig macht, und spüren lässt, wie untrennbar nah beides beieinanderliegt. Ulrich Zehfuß wird immer besser. „Erntezeit“ erscheint am 26. Februar auf Sevenarts-Music.

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