Adax Dörsam und Timo Gross feiern im Mannheimer Ella & Louis die Blues-Klassiker von Leadbelly Heimspiel mit Blues im Jazzclub

Von 
Jörg-Peter Klotz
Lesedauer: 
Die Saitenvirtuosen Timo Gross (links) und Adax Dörsam feierten im Mannheimer Ella & Louis das Werk der US-Blues-Ikone Leadbelly. © Rene van der Voorden

Die lang erwartete Mannheim-Premiere des Duo-Projekts Leadbelly Calls (LC) im Ella & Louis hätte man sich anders gewünscht: Denn Lokalmatador Adax Dörsam und Timo Gross huldigen der US-Blues-Ikone Hudson „Huddie“ William Ledbetter (1889-1949) alias Leadbelly kernig und feingeistig zugleich. Glanzlichter wie ihre Interpretation des auch von Nirvana bekannten Highlights „Where Did You Sleep“ oder den Abräumer „Black Betty“ müssen eigentlich im selben Raum spürbar sein. Aber nicht nur die euphorischen Reaktionen der Zuschauer im Live-Chat bei YouTube zeigen: Sie reißen auch auf dem Sofa vom Hocker. Und Blues hat ein Heimspiel im Jazz-Club, nicht nur, weil Dörsam gebürtiger Mannheimer ist.

AdUnit urban-intext1

Das Konzert startet mit den Klassikern „Take This Hammer“ und „My Baby Left Me“. Dann folgt Dörsams Hommage „Blow My Blues Away“. Die Ballade eröffnet Gross zunächst atmosphärisch stark an der Gitarre und interpretiert den Text dann sehr gefühlvoll, begleitet von dezentem Backgroundgesang des Kollegen. Live wirkt das Zusammenspiel auf Anhieb noch elaborierter als bei den kleinen Live-Konzerten, die im Sommer 2020 möglich waren. Gut zu hören: Gross‘ kehlige Stimme ist völlig unbeeinträchtigt von seiner mittelschweren Corona-Infektion Ende November.

Bis zur turkmenischen Saz

Das alles stammt vom Album„Talking To Huddie Ledbetter“. Deren Anschaffung lohnt sich - nicht nur, weil freischaffende Musiker derzeit jede Unterstützung brauchen. Sie liefert einfach für deutsche Verhältnisse herausragende Blues-Qualität: Das Online-Konzert zeigt, wie versiert und originell sich die beiden komplementären Gitarrenvirtuosen und Sänger dem von vielen Rock-Superstars nachgespielten Leadbelly nähern. Da muss man nur ihre zweistimmige Version des Gassenhauers „Cottonfields“ hören, in den Dörsam Folk-Elemente wie aus Led Zeppelins Adaption von Leadbellys „The Gallis Pole“ einfließen lässt. Als LC das Stück selbst interpretieren, greift der Multisaiteninstrumentalist zur turkmenischen Saz.

AdUnit urban-intext2

In deftigem Südpfälzisch erzählt Groß wie Leadbelly Calls der Ruf des legendären Bluesmanns ereilt es - wie es sich gehört, beim Saufen und Rauchen in der urig abgewetzten Beize Elwetritsch in seiner Heimat Bad Bergzabern. Und wenn das nicht stimmt, ist es gut erfunden. Und passt vor allem zum schillernden Geschichtenerzähler Leadbelly. Mit Leadbellys Country-Überhitballade „Good Night Irene“ klingt die Show stimmungsvoll aus. Leider kann Timo Gross zu dem Zeitpunkt nur hoffen, „dass ihr ein wunderbares Publikum wart.“

Signierte CD für 18 Euro unter: leadbellycalls.com

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion