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Krieg - Betrieb kann offenbar aufgrund der Kämpfe im Land nicht mehr kontrolliert werden / Bundesregierung gibt vorerst Entwarnung

Ukraine drosselt Zufuhr von Erdgas

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dpa
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Kiew/Moskau/Berlin. Zweieinhalb Monate nach Beginn des Kriegs in der Ukraine fließt nun weniger Gas aus Russland nach Europa. Die Ukraine drosselte am Mittwoch den Transit durch das Gebiet Luhansk im Osten des Landes. Begründet wurde dies damit, dass der Betrieb in einer Station kriegsbedingt nicht mehr kontrolliert werden könne. Nach Angaben des russischen Staatskonzerns Gazprom konnten am Mittwoch noch 72 Millionen Kubikmeter russisches Gas in Richtung Westen durchgeleitet werden – etwa ein Viertel weniger als am Tag zuvor. Die Bundesregierung trat sogleich Befürchtungen entgegen, dass Gas in Deutschland bald knapp werden könnte.

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Das Bundeswirtschaftsministerium versicherte, dass wegen der eingeschränkten Gaslieferungen derzeit keine Engpässe drohen. „Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist aktuell weiter gewährleistet“, sagte eine Sprecherin. Der Großteil des russischen Gases erreicht Deutschland über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Derzeit seien die deutschen Gasspeicher zu 38,6 Prozent gefüllt, so die Sprecherin. „Was jetzt morgen passiert oder in einer Woche – das ist ja noch unklar.“

Betroffen von der Drosselung ist die Pipeline Sojus. Für die Station Sochraniwka in Luhansk wurden keine Aufträge mehr angenommen. Der Betreiber OGTSU berief sich auf „höhere Gewalt“. Die Ukrainer deuteten an, dass Russen den Betrieb gestört hätten. Gazprom hielt dagegen, man habe „keinerlei Bestätigungen über Umstände höherer Gewalt“ erhalten. Der Konzern betonte, alle seine Verpflichtungen gegenüber europäischen Kunden zu erfüllen. Die Ukraine bekommt für die Durchleitung des Gases hohe Gebühren.

Bundeswehr beginnt Ausbildung

Ansonsten berichtete Moskau am 77. Tag des Kriegs von mehr als 400 Angriffen. Im Süden und Osten der Ukraine gibt es weiterhin schwere Kämpfe. Das russische Militär drang gemeinsam mit prorussischen Separatisten bis an die Verwaltungsgrenzen des Gebiets Luhansk vor. In der Nacht zum Mittwoch zerstörten die russischen Truppen nach eigenen Angaben 17 Munitionsdepots und 13 Gefechtsstände. Mindestens 280 ukrainische Soldaten seien getötet worden. In Russland berichteten die Regionen Belgorod und Kursk nahe der ukrainischen Grenze von neuen Gegenangriffen aus dem Nachbarland.

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Auch die Kämpfe um ein Stahlwerk in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol dauerten an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lobte die eigenen Truppen für „übermenschliche Stärke“. Die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende bleibt minimal. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte, der Moment für Friedensgespräche werde kommen. „Aber in unmittelbarer Zukunft sehe ich ihn nicht.“

Unterdessen begann die Bundeswehr mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten an der Panzerhaubitze 2000. Die Schulung von bis zu 18 Besatzungen findet an der Artillerieschule der Bundeswehr in Idar-Oberstein statt. Zur Verteidigung gegen den russischen Angriff wollen Deutschland und die Niederlande der Ukraine insgesamt zwölf Panzerhaubitzen liefern, davon sieben aus Deutschland. Eine Panzerhaubitze ist ein schweres Artilleriesystem mit einer Kanone auf einem Kettenfahrzeug – ähnlich einem Panzer. dpa

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