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Weinbauverband hofft auf einen goldenen Herbst

Hessische Bergstraße: Sorgen und Hoffnungen in der Wein-Region

Von 
Thomas Tritsch
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Die Corona-Krise hat auch den Weinbau an der Hessischen Bergstraße voll getroffen. Insbesondere Betriebe, die überwiegend im eigenen Weingut verkaufen und in der Gastronomie vertreten sind, mussten bislang kräftige Verluste hinnehmen. Verschärfend hinzu kommt, dass auch in diesem Jahr alle großen Weinfeste der Region gestrichen sind, beziehungsweise durch kompakte Alternativen ersetzt wurden.

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Neben den Absagen in Zwingenberg, Heppenheim und Bensheim wiegt der Verlust der Weinlagenwanderung als eine wichtige Einnahmequelle für den Weinbauverband besonders schwer. Vom Werbeeffekt für die heimischen Erzeuger ganz zu schweigen.

Der Weinbauverband Bergstraße rechnet mit einer späten Lese. © Neu

Und als ob das alles noch nicht reichen würde, hat in diesem Jahr auch noch die Natur verrückt gespielt: Frost, Regen, Pilzbefall und die Katastrophe im Ahrtal nähren den Eindruck, dass der Jahrgang 2021 unter keinem allzu guten Stern steht. Doch ein goldener Herbst mit milden Sonnentagen und nicht allzu viel Niederschlag könnte die Winzer doch noch versöhnlich stimmen. Kurz: Ein schöner „Altweibersommer“ wäre gerade richtig.

„Wir müssen jetzt warten, wie das Jahr zu Ende geht“, so der Verbandsvorsitzende Otto Guthier, der von einem vergleichsweise späten Jahr spricht. Ende August rangierte die Vegetation zirka zehn bis zwölf Tage hinter einem normalen Jahr, und rund drei Wochen hinter dem insgesamt sehr frühen 2020.

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Das ist den Winzern zunächst einmal nicht unrecht, denn eine späte Reife gesunder Trauben verspricht hochklassige Weine. Doch viele Beeren sind bereits so prall, dass weiterer Regen die dünne Haut zum Platzen bringen könnte.

„Der Austrieb im April sah noch einigermaßen normal aus“, so Guthier, der selbst einige Weinberge in Heppenheim bewirtschaftet. Doch im Mai war ein Stillstand eingetreten – Kälte und Nässe haben die Reben auch im kleinsten deutschen Anbaugebiet stark beeinflusst.

Die Rebblüte bis Mitte Juni fand dann unter recht guten äußeren Bedingungen statt, doch Juli und August waren wieder zu nass. Vom Trockenstress der vergangenen Jahre konnte keine Rede sein, im Gegenteil.

Noch größere Sorge bereitet den Weinbauern der Falsche Mehltau (Peronospora), der in der laufenden Saison nach Einschätzung von Experten in allen Anbaugebieten merkliche Schäden anrichten und Ertragseinbußen zur Folge haben wird. Die Pilzerkrankung befällt Blätter und Beeren. Sie färben sich gelblich, später blau-schwarz, schrumpfen und fallen am Ende ab. Der Pilz kann mit Fungiziden, im Bio-Anbau jedoch nur mit den weniger wirksamen Kupferpräparaten bekämpft werden.

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„Ich kann mich nicht an ein Jahr mit so viel Peronospora-Befall erinnern“, so der Verbandschef, der knapp 26 Jahre an der Spitze der Bergsträßer Winzer eG gestanden und Anfang 2019 als Geschäftsführer aufgehört hatte.

Guthier befürchtet in manchen Weinbergen Totalverluste. „Das wird kein einfacher Herbst.“ Für die Winzer sei es extrem schwierig, die momentane Situation zum Wohle des Betriebs zu managen und gegenüber den Launen der Natur schnell und richtig zu handeln.

Die Arbeit im Weinberg fällt daher noch komplexer aus, neben einer Belüftung der feuchten Pflanzen durch das Entfernen von Blattwerk sind gezielte Schutzmaßnahmen erforderlich. In den letzten Monaten waren besonders viele Behandlungen notwendig, um möglichst viele Trauben zu retten.

Auch in der Pfalz, in Südbaden, Franken und an der ohnehin schwer gebeutelten Ahr schaut es ähnlich aus. Der Falsche Mehltau wurde im 19. Jahrhundert aus den USA nach Europa eingeschleppt. Der Pilz überwintert im abgefallenen Rebenlaub. Die Sporen keimen im Frühjahr, wenn es nass genug und mindestens acht Grad Celsius warm ist. Für die Bergsträßer Winzer sind die nächsten Wochen entscheidend, denn bald beginnt die Hauptlesezeit. Otto Guthier rechnet mit einem Start „frühestens Mitte September“. Eigentlich ein idealer Zeitpunkt im Falle eines normalen Winzerfests – denn dann hätten die Winzer keinerlei organisatorische Engpässe erlebt. Doch in diesem besonderen Jahr trifft eine späte Lese auf den erneuten Ausfall des größten südhessischen Weinfestes. Vielleicht ist 2021 schon jetzt ein historisches Weinjahr.

Jetzt hofft der Verband auf ein besseres Jahr 2022. Und darauf, dass am 1. Mai eine Weinlagenwanderung wieder möglich sein wird. Denn noch gibt es genügend Rücklagen, doch Ende nächsten Jahres könnte es eng werden, wenn die Pandemie der hiesigen Weinwelt noch immer keine Luft zum Durchatmen lassen sollte. Thomas Tritsch

Freier Autor

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