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Gedenken - Der Todestag von Amy Winehouse jährt sich an diesem Freitag zum zehnten Mal / In kurzer Zeit avancierte die Britin zu einer der bedeutendsten Musikerinnen

„Tränen trocknen von allein“

Von 
Philip Dethlefs
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In ihrem Londoner Stadtteil Camden Town steht Amy Winehouse immer noch im Mittelpunkt. Die Amy-Statue auf dem Stables Market ist ein beliebtes Fotomotiv. In der Gegend der Straßenmärkte, Musikläden und Pubs soll sich die Sängerin besonders wohlgefühlt haben. In Camden stand auch das Haus, in dem Winehouse wohnte. Dort starb sie vor zehn Jahren, am 23. Juli 2011, an einer Alkoholvergiftung.

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Winehouse, Jim Morrison, Janis Joplin oder Jimi Hendrix – sie alle starben 27-jährig als Konsequenz von Alkohol- und Drogenmissbrauch und wurden trotzdem unsterblich. Winehouse gilt heute als eine der bedeutendsten und einflussreichsten britischen Sängerinnen, als Wegbereiterin für Adele, Estelle oder Celeste.

Viel zu früh verstorbene Ikone: die britische Sängerin Amy Winehouse, hier bei einem Auftritt im Juni 2008. © dpa

In Zeiten von Girl- und Boygroups und Casting-Pop veröffentlichte sie mit 20 ihr selbst geschriebenes Debütalbum „Frank“. Das Jazz- und Soulalbum zielte nicht auf ein breites Publikum ab. Auf den gigantischen Ruhm, der letztlich wohl auch zu ihrem frühen Tod beigetragen hat, hatte sie es ohnehin nie abgesehen. „Ich glaube, ich werde niemals berühmt sein“, sagte Winehouse in einem frühen Interview, das im Dokufilm „Amy“ zu sehen ist. „Ich glaube, ich könnte damit nicht umgehen. Dann würde ich wahrscheinlich verrückt werden.“

Doch drei Jahre nach „Frank“ machte sie ihr zweites und letztes Album „Back To Black“ zum Weltstar. Diese Mischung aus Motown, Doo-Wop und Soul im 60er-Jahre-Stil mit moderner Produktion bescherte Winehouse fünf Grammys und viele andere Preise. Ihr ikonischer Look zierte all die großen, internationalen Magazine von „Rolling Stones“ bis „Variety“.

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Musik als Ventil des Leidens

Die Kehrseite war, dass die Londonerin ihr Haus nicht mehr ohne Blitzlichtgewitter verlassen konnte. Ihren Freunden soll sie damals gesagt haben, sie würde alles zurückgeben, um nur wieder ohne Aufsehen in den Pub gehen zu können. Als ihr Sarg aus dem Haus getragen wurde, waren die Paparazzi immer noch da. Nach ihrem Tod wurde „Back To Black“ in Großbritannien vorübergehend das meistverkaufte Album des 21. Jahrhunderts. Seitdem wurde es nur von Adeles „21“ überholt.

„Ich bin nur eine Musikerin, die ehrlich ist“, sagt sie in der Dokumentation „Amy Winehouse: Back To Black“, die am 23. Juli bei Arte läuft. Musik war nicht nur Leidenschaft für sie. „Ich schreibe Songs, weil ich krank im Kopf bin“, so Winehouse, die nach eigener Aussage schon in der Kindheit Anti-Depressiva eingenommen hatte. „Ich muss es aufschreiben und singen, um mich besser zu fühlen. So wird Schlechtes zu etwas Gutem.“

So dreht sich „Back To Black“ um die zerstörerische Beziehung zu ihrem damaligen Freund und späteren Ehemann Blake Fielder-Civil. Songtitel wie „Love Is A Losing Game“ (auf Deutsch: „Liebe ist ein Spiel, bei dem es nur Verlierer gibt“), „Tears Dry On Their Own“ („Tränen trocknen von allein“) oder „Wake Up Alone“ („Allein aufwachen“) sprechen eine eindeutige Sprache. Neben ihrer unvergleichlichen Stimme war es diese absolute Authentizität, für die Winehouse verehrt wurde.

Auch ihre Hitsingle „Rehab“ enthält eine unbehagliche Wahrheit. Nämlich die vom dringend notwendigen Entzug, den die Musikerin damals ablehnte. „If my daddy thinks I’m fine“, singt sie. Ihr Vater Mitch, dem manche vorwerfen, finanzielle Interessen über das Wohl seiner Tochter gestellt zu haben, sah anfangs angeblich keine Notwendigkeit für einen Entzug.

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Konzertdesaster in Belgrad

Jahrelang hatte Winehouse, die auch unter Bulimie litt, mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen. Durch ihren Ehemann kam sie zu Crack und Heroin, wie Fielder-Civil selbst in der Dokumentation „Amy“ einräumt. Von den harten Drogen soll die Sängerin zwar losgekommen sein, doch stattdessen nahm ihr Alkoholkonsum zu. Ihre Probleme wurden auch auf der Bühne immer deutlicher. Winehouse war bei Konzerten high oder betrunken, wirkte abwesend und vergaß ihre Texte.

Ihre letzte Tournee geriet zum Desaster. Bei einem Konzert in Belgrad stolperte sie über die Bühne, weigerte sich zwischenzeitlich zu singen und wurde ausgebuht. Die Videos von dem Auftritt findet man noch heute bei Youtube. Zu sehen ist eine tragische Figur, die sich sichtbar unwohl und unsicher fühlt. Und es drängt sich die Frage auf, warum damals niemand eingeschritten ist. In Medien wurde Winehouse mit Spott und Häme überschüttet.

Nachdem der Rest der Tour abgesagt wurde, überraschte die Sängerin einen Monat später in London bei einem Konzert ihrer Patentochter Dionne Bromfield das Publikum. Für ihren Kurzauftritt wurde sie gefeiert. Doch es sollte ihr letzter bleiben. Drei Tage später wurde Winehouse zuhause tot aufgefunden. An ihrem zehnten Todestag zeigt BBC den neuen Dokumentarfilm „Reclaiming Amy“, in dem ihre Mutter Janis, ihr Vater und viele Weggefährten ihre Sicht der Dinge erzählen.

Ihre letzte Aufnahme war das Duett „Body and Soul“ mit ihrem Idol, dem Jazzer Tony Bennett. Wie die gesamte Musikwelt zeigte sich auch der heute 94-jährige Bennett nach ihrem Tod bestürzt. „Amy Winehouse war eine Künstlerin von ungeheurem Format“, sagte er. „Sie war eine außergewöhnliche Musikerin mit einer seltenen Intuition als Sängerin, und ich bin wirklich am Boden zerstört, dass ihr besonderes Talent ein so frühes Ende nimmt.“ dpa

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