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Es wird Zeit, dass sich was dreht

Schausteller: Familie Schneider ist dem Winzerfest von Beginn an verbunden

Von 
Thomas Tritsch
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Die Schaustellerfamilie Schneider ist dem Winzerfest treu verbunden. Markus Schneider (oben) wird bei der Winzer-woche einige Stände auf dem Beauner Platz – wie z.B. das Kinderkarusell (u.l.) – aufbauen. © Gutschalk (2)/Neu

Seit fast hundert Jahren ist man Bensheim treu. Dem Winzerfest seit seiner Premiere 1929. Die Spezialitäten: Kinderkarussell, Schiffschaukel, Kettenflieger, Greifer.

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In der Region kennt Familie Schneider jedes Fest. Doch die Verbundenheit mit Bensheim ist besonders, sagt Markus Schneider, in der sechsten Generation Schausteller. Aus Leidenschaft, wie er betont. Die siebte ist bereits am Start: Tochter Marissa und Markus junior sind mit ihren Familien bereits voll eingestiegen.

Siebte Generation ist am Start

Die Zukunft gehört der dreijährigen Tiana und dem knapp 18 Monate alten Enkel Markus. Der Jüngste im Bunde sollte eigentlich schon längst getauft sein. Doch weil das unbedingt während des Bergsträßer Winzerfestes passieren sollte, musste der Anlass bereits zwei Mal verschoben werden. „Wird schon“, so der noch junge Großvater, der 1968 in Bensheim das Licht der Welt erblickt hat.

Schneiders Stammbaum reicht weit zurück. Schon sein Ururgroßvater mütterlicherseits, Johann „Jean“ Wagner, war Anfang des 20. Jahrhunderts in der Region mit Fahrgeschäften unterwegs. Nach dem Krieg hatte er Worms in Richtung Bürstadt-Riedrode verlassen. Seither der Sitz des Unternehmens, das wie alle anderen der Branche durch die Corona-Krise schwer getroffen wurde.

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Abstand, Versammlungsverbot und Kontaktbeschränkungen sind das schlimmste, was einem passieren kann, der mit der Masse Mensch sein Geld verdient. Ohne Geselligkeit und unbeschwerte Freude wird aus einem Rummelplatz ein Friedhof.

Mittlerweile drehen sich die Reitschulen wieder. Aber längst nicht so wie vor der Pandemie. In Bürstadt, Heppenheim, Lampertheim, Reichelsheim oder Bobstadt laufen die Geschäfte wieder zögerlich an.

Auch in Bensheim, wo Schneiders am Hospitalbrunnen ein kleines Kinderkarussell aufgebaut haben. „Es ist unfassbar, wie dankbar die Familien sind, die uns besuchen“, so Markus Schneider. Auch das Lachen der Kleinen, die dort ihre Runden drehen, habe ihn nach vielen Monaten der Stille tief bewegt.

Jetzt ist er froh, dass sich auch öffentlich wieder etwas bewegt. Die Stadt Bensheim habe ihn bestens unterstützt. „Ein schönes Gefühl!“

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Spaß im Kleinen, keine Party

Als Stammgast ist er auch bei der Winzerwoche mit dabei. Auf dem Beauner Platz wird er mit zwei Kollegen einiges aufbauen: darunter Kettenflieger, Kinderkarussell, Greiferautomat, Schießbude sowie ein Süßwarenstand.

Im Fokus ist das ganz junge Publikum. Spaß im Kleinen, keine große Party. Corona gibt die Regeln vor: möglichst wenig Personal, ein gutes Hygienekonzept und Mindestabstand halten.

Für die Schausteller ist die Woche dennoch ein weiterer Schritt zurück in eine neue, eine andere Normalität. An riesige Rummel ist auch im Jahr 2021 nicht zu denken. Ob es Weihnachtsmärkte geben wird, steht in den Sternen. Seit Frühjahr 2020 sieht es mau aus.

Der Familienbetrieb musste seine Reserven angehen. „Es ist gerade nicht einfach“, so der Vater und Großvater, der trotz Krise optimistisch bleibt: „Die Leute wollen ihre Kirmes.“

In normalen Jahren ticken die Uhren anders. Zehn Monate Saison. Zwischen Weihnachtsmärkten und Fastnacht wird verschnauft, werden Geräte gewartet und repariert. Einmal im Jahr wartet der TÜV. Sicherheit und Hygiene sind oberstes Gebot – auch schon vor Corona.

Unterwegs ist die Familie in einem Radius von rund 250 Kilometern. Geht es weiter weg, lebt man im Wohnwagen.

Markus Schneider und seine Familie genießen die Zeit in Bensheim. Auch, wenn der Rummel auf Sparflamme läuft. Schausteller sind chronisch unterwegs. Auch im Kopf. „Wir hoffen das Beste und freuen uns auf normale Zeiten.“ Thomas Tritsch

Freier Autor

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