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Bei den Flames passt auch das Team hinter dem Team

Inierview: Hoffen auf Fans als „Emotionsverstärker und Leistungsmotivator“

Von 
Das Gespräch führte Eric Horn
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Vor einem Jahr war die Unsicherheit bei den Flames und ihren Verantwortlichen angesichts der Corona-Pandemie riesig. Doch nach einer sportlich erfolgreichen Saison überwiegt vor der Spielzeit 2021/22 bei Geschäftsführer Michael Geil und dem für die Finanzen zuständigen Jörg Hirte die Zuversicht. Von besonderer Bedeutung ist, dass es wieder Zuschauer bei den Heimspielen in der Weststadthalle geben wird.

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Herr Geil, Herr Hirte, wo stehen die Flames nach zwei Corona-Spielzeiten finanziell und sportlich vor dem Start der Saison ’21/22?

Michael Geil: Wir haben uns nach dem vierten Jahr der Erstligazugehörigkeit im Mittelfeld etabliert und sind auf Augenhöhe mit Teams wie Leverkusen, Oldenburg oder Buxtehude. Eine noch bessere Platzierung wurde in der vergangenen Saison durch Corona-Erkrankungen und Verletzungspech verpasst. Es war nach dem Re-Start der Liga im September ohne Absteiger aus der Vorsaison eine lange, kräftezehrende Saison. Das Mittelfeld ist kompakt und es entscheiden Kleinigkeiten, ob man auf Platz sechs oder auf Platz zehn ins Ziel kommt.

Jörg Hirte: Finanziell haben wir die Saison ’19/20 gut über die Runden gebracht. Zum Glück konnten wir die entgangenen Einnahmen aus den ausgefallenen vier Heimspielen durch die Corona-Soforthilfe und Kurzarbeitergeld nahezu kompensieren. Die Saison ’20/21 war durch den fast kompletten Ausfall der Zuschauereinnahmen deutlich anspruchsvoller, aber auch hier sind wir dank der staatlichen Unterstützung mit einem blauen Auge davongekommen. Großer Dank gebührt unseren Sponsoren, die uns trotz Corona weiter unterstützt haben, und vielen Dauerkartenkäufern, die ihr Geld nicht zurückgefordert haben. Diese Form der Unterstützung kann nicht hoch genug geschätzt werden.

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Wie haben sich Umfang und Zusammensetzung des Etats für das Bundesliga-Team im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten verändert?

Hirte: Natürlich sind durch die weggefallenen Zuschauereinnahmen und der Perspektive für die Saison ’21/22 unsere finanziellen Möglichkeiten etwas eingeschränkt und wir haben gemeinsam mit unseren Spielerinnen und unseren Dienstleistern eine Lösung gefunden, wie wir die finanziellen Rahmenbedingungen ohne oder bei weniger Zuschauern für uns besser planbar gestalten können.

Wie sehen derzeit die Zuschauerplanungen für die Heimspiele aus?

Geil: Wir planen mit einer etwa 35-prozentigen Auslastung der Halle – das sind 60 Prozent des Zuschauerschnitts vor Corona. Mit unserem umfangreichen Hygienekonzept und der 3G-Regel können wir die Infektionsrisiken minimieren. Wenn in Zukunft mit dem Infektionsschutzgesetz die rein inzidenzbasierten Beschränkungen erweitert werden, ist das für unsere Planungen und den Ticketverkauf von Vorteil.

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Welche Rolle spielen die Zuschauereinnahmen im Etat?

Geil: In einem Jahr ohne Beschränkungen liegen diese – ohne Lounge- und Dauerkarten für Sponsoren – bei knapp 20 Prozent inklusive der Einnahmen aus Bewirtung. Viel wichtiger als der rein finanzielle Aspekt ist natürlich die emotionale Seite. Wir brauchen unsere Fans als Emotionsverstärker und Leistungsmotivator!

Ist im Etat ein Puffer eingebaut, um einen erneuten Zuschauerausschluss kompensieren zu können?

Hirte: Unsere Planung sieht momentan einen kleinen Puffer für einen Zuschauerausschluss vor, den wir aufgrund der aktuellen Entwicklung des Infektionsschutzgesetzes jedoch nicht erwarten. Zudem gehen wir davon aus, dass die entgangenen Einnahmen aus fehlenden Zuschauern durch Corona-Hilfen abgefedert werden. Wobei wir Wert darauf legen, dass es nicht unser Ansinnen ist, darauf mittelfristig zu bauen, sondern eher daran gelegen, dass die Freiheiten für die Veranstalter hinsichtlich Zuschauersteuerung zurückkommen.

Offensichtlich haben alle Bundesligisten die Krise der vergangenen eineinhalb Jahre gemeistert, kein Verein musste Insolvenz anmelden. Ist das ein gutes Zeichen für den Frauenhandball?

Hirte: Obwohl ich die Zahlen anderer Vereine im Detail nicht kenne, gehe ich davon aus, dass alle Vereine nach ihren Möglichkeiten wie wir von der staatlichen Unterstützung profitiert haben und zudem hoffentlich entsprechende Maßnahmen in der Mannschaftsstruktur getroffen haben, um die Personalkosten zu senken. Das sehe ich als gutes Zeichen für den aktuellen Profihandball und freue mich, dass wir als Vereine krachende Insolvenzen von Vereinen wie HC Leipzig oder Frankfurter HC vermeiden konnten. Insofern scheint mehr Realismus bei den Verantwortlichen eingekehrt zu sein. Natürlich stellen die geplanten Maßnahmen der HBF (Handball Bundesligavereinigung der Frauen, d. Red.) eine Herausforderung für alle Vereine dar, die in den finanziellen Rahmenbedingungen zukünftig berücksichtigt werden müssen.

Welche Auswirkungen hat der nahezu durchgängige Zuschauerausschluss während der vergangenen Saison auf die Medienpräsenz des Frauenhandballs?

Geil: Das Thema Präsenz ist wichtig, damit die Sportart nicht in Vergessenheit gerät. Das gilt nicht nur für die Fans, sondern auch für Kinder und Jugendliche, die sich mit ihren Idolen identifizieren und so den Zugang zum Handball bekommen. Wir haben viel im Bereich von Social Media gearbeitet – Posts und Promos mit unseren Sponsoren. Mit unserem neuen Silberpartner Koke werden wir die Möglichkeiten im digitalen Bereich deutlich ausbauen.

Ist eine verstärkte Präsenz im Free-TV der Schlüssel für die Zusammenarbeit mit überregionalen Sponsoren?

Geil: Frauenhandball ist und bleibt zunächst ein regionaler Fokus – auch wenn die Reichweite bei Live-Übertragungen bei Eurosport bis zu 150 000 liegt und damit über den Zahlen des Frauenfußballs. Wir setzen weiter auf Partner in der Region – hier schlägt unser Herz, hierfür brennen wir. Natürlich wird mit zunehmender Medienprofessionalität der Frauenhandball an sich besser präsentiert. Aufmerksamkeit und Interesse werden erhöht – mit positiven Auswirkungen für neue Fans und auch den Nachwuchs.

Die HBF hat Anfang 2020 ein Konzept zur Professionalisierung der Liga beschlossen, das schrittweise bis 2025 umgesetzt werden soll. Können die Flames die darin enthaltenen Vorgaben wie zweite Längstribüne, reiner Handball-Hallenboden oder hauptamtliches Management nach den Einbußen der vergangenen beiden Spielzeiten erfüllen?

Geil: Bei allen Ansätzen zur Professionalisierung und den vom DHB (Deutscher Handball-Bund, d. Red.) ausgegebenen Zielen, die Vereins- und Nationalmannschaften näher an die europäische Spitze zu bringen, darf man nicht vergessen, dass wir in der Post-Corona-Zeit neue Rahmenbedingungen haben und viele Vereine ums Überleben kämpfen. Hier muss mit Augenmaß und Realitätssinn gearbeitet werden. Wenn die Liga einen gesunden Mittelbau will – der wie in der Wirtschaft das Rückgrat bildet –, wird man zu pragmatischen Lösungen kommen müssen. Ich bin guter Dinge, dass wir das mit dem HBF-Vorstand diskutieren können.

Die drei vergangenen Bundesliga-Runden schlossen die Flames auf den Plätzen acht (2020) und neun (2019 und 2021) ab, erwarten Sie nun tabellarisch mehr?

Hirte: Wie Michael bereits ausgeführt hat, haben sich die Flames in den letzten Jahren im Mittelfeld etabliert, welches nach unserer Auffassung von den Plätzen sechs bis zehn reicht. Und wie dicht alles zusammen ist, konnten wir beim 1. Dentsply Sirona-Cup verfolgen. Es entscheiden Kleinigkeiten und Tagesform. Wenn alles zusammenpasst, wir verletzungsfrei bleiben und in den Schlüsselspielen unsere Topleistung abrufen können, ist die Mannschaft in der Lage am oberen Tabellendrittel anzuklopfen. Andererseits würden wir uns nicht wundern, wenn es bei einem anderen Verlauf der zehnte oder elfte Platz wird.

Was zeichnet den Flames-Kader in dieser Saison aus?

Geil: Zunächst einmal Team, Team und nochmals Team. Der Kader ist weitestgehend zusammen geblieben und die Neuzugänge haben sich hervorragend integriert. Eine ist für die andere da und wir hoffen natürlich, dass unsere Verletztenliste langsam kleiner wird. Dann Siegeswille und Leidenschaft. Niemals aufgeben und an sich glauben. Das ist wichtig bei den vielen zu erwartenden engen Spielen.

Welche Zielsetzungen sind für den Unterbau der Bundesliga-Mannschaft – Junior-Flames und Jugend-Bundesliga-Team – formuliert?

Hirte: Oberste Priorität hat für die Junior-Flames die Meisterschaft in der Oberliga, um endlich in die 3. Liga aufzusteigen. Wir sollten nicht zurückschauen, aber die letzten beiden Jahre sind zur Erreichung dieses Ziels extrem gegen uns gelaufen. Wir hoffen, dass wir diese Saison eine ordentliche Oberligasaison spielen können und die Mannschaft beweisen kann, was in ihr steckt. In der Jugend-Bundesliga wollen wir das Final-Four-Turnier erreichen.

Gibt es bei den Bundesliga-Flames personelle Änderungen im Team hinter dem Team oder eine Neuverteilung von Aufgaben?

Geil: Vielleicht ist es während der Corona-Zeit etwas untergegangen, aber wir freuen uns riesig, dass wir Heike Ahlgrimm von unserem Konzept überzeugen konnten und sie uns in den nächsten drei Jahren weiter unterstützen will, es umzusetzen. Als Trainerin ist sie der Kern und Antreiber. Wir haben aktuell eine funktionierende Aufgabenteilung für die Bereiche Administration mit Andre Schumacher, Finanzen mit Jörg Hirte, Marketing und Sponsoring mit Lisa Mößinger und Rainer Hintze sowie für die Kommunikation mit Andrea Müller. Ich selbst als Geschäftsführer habe natürlich jetzt auch mehr Zeit für operative Aufgaben. Positiv zu erwähnen ist, dass wir weiterhin von unserem Torwarttrainer Jean Zimmermann und unserer Co-Trainerin Ilka Fickinger unterstützt werden. Die Zusammenarbeit mit Luc Dieteren, unserem Physiopartner Theresport und seinen Mitarbeiterinnen Didem Adolf und Nicki Schüttler, ist hervorragend. Das gesamte Team ist mit der Betreuung hoch zufrieden. Wir haben zwei neue Mitarbeiterinnen für das Kommentieren des Livestreams gewonnen, die Horst Knop unterstützen. Es werden natürlich immer Helfer für die Spieltage gesucht: Auf- und Abbau, Technik, Essen- und Getränkeverkauf. Das Gespräch führte Eric Horn

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