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Landwirtschaft - Julian von der BAnane hat mit Winzer Hanno Rothweiler darüber gesprochen, wie man Weinreben vermehren kann

Vom Traubenkern zum Setzling an der Bergstraße

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Damit die Weinreben einmal so dastehen können, gibt es einiges zu beachten. © Geiß

Aktuell beginnt für Weinliebhaber an der Bergstraße eine der schönsten Zeiten des Jahres. Neben der Weinwoche, in der sich zahlreiche Bergsträßer Weingüter wie Amthor, Mohr, Freiberger und Rothweiler beteiligen, ist für sie alle auch wieder Zeit für die Weinlese. So nennt man den Prozess, bei dem die Trauben meist Anfang September geerntet werden. Aber wie wird aus einem kleinen Kern eigentlich eine neue Pflanze? Das hat Julian von der BAnane den Winzer Hanno Rothweiler gefragt, der seit über 40 Jahren in seinem Beruf aktiv ist. Aktuell bietet er 30 Weine an und ergänzt nächstes Jahr seine Liste um Traubensaft.

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Und so geht’s: Es fängt alles damit an, dass die ausgewählten gesunden und keimfähigen Kerne gewaschen und gründlich von Schmutz sowie auch Fruchtfleischresten befreit werden. Danach werden die Kerne für 24 Stunden in einem kleinen Töpfchen mit destilliertem Wasser eingeweicht.

Richtige Bedingungen schaffen

Gerade bei Trauben brauchen einige Kerne eine Kälteperiode sowie auch relativ feuchte Klimabedingungen, bevor sie den Keimungsprozess starten. In der Natur bekommt der Kern automatisch diese wichtigen Bedingungen geliefert, indem er den Winter im Boden verbringt. Aber auch für die heimische Keimung kann man dem Kern die perfekten Bedingungen bieten. Stratifikation ist hier das Erfolgswort. Damit ist die gezielte Kältebehandlung innerhalb der Botanik gemeint.

Der günstigste Zeitpunkt für den Beginn der Stratifikation ist der Dezember. Zunächst muss für die Kerne ein Bett vorbereitet werden. Dazu wird eine luftdichte Tüte oder ein anderes Behältnis mit weichem Untergrund wie Papiertüchern, Sand, Kompost oder befeuchtetem Torf gefüllt. Am günstigsten ist Torf als Grundlage, denn er hat fungizide Eigenschaften und vermeidet die Schimmelbildung an den Kernen.

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Nun werden die Kerne in das vorbereitete Bett gefüllt und mit einer etwa einen Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt. Perfekte Temperaturen für die Stratifikation liegen bei ein bis drei Grad. Die Kerne werden jetzt zwei bis drei Monate in ihrem kalten Bett gelagert. Damit aus den Kernen Pflanzen werden können, erfolgt im Frühjahr der nächste Schritt: Dafür werden die Kerne ihrem Bett entnommen, wo sie die letzten drei Monate gelegen haben, um in mit Erde gefüllte Töpfe eingesetzt zu werden.

Die Kerne sollten einzeln in kleinere Töpfe gesetzt werden oder wahlweise in größere Behältnisse, wobei dann mehrere Kerne mit einem Abstand von mindestens vier Zentimetern zueinander in die größeren Gefäße gesetzt werden. Eingesetzt müssen die Kerne warm gehalten werden.

Zur optimalen Keimung benötigen sie eine Tagestemperatur von mindestens 20 Grad und nachts eine Mindesttemperatur von 15 Grad. Ein Treibhaus bietet für die Keimung perfekte Bedingungen. Die Erde muss zum Keimen feucht, aber nicht zu nass gehalten werden. Die Benetzung mit einem feinen Wasserstrahl, wenn die Oberfläche trocken wirkt, ist am günstigsten. Während dieser Phase ist Geduld gefragt: Die Kerne treiben erst nach zwei bis acht Wochen.

Der kleinen Pflanze ihre Zeit geben

Wenn aus den Kernen Setzlinge von etwa acht Zentimeter Höhe geworden sind, werden sie in größere Töpfe umgepflanzt. Damit die Setzlinge kräftig werden, sollten sie bis zu einer Höhe von 30 Zentimeter und bis sie etwa fünf bis sechs Blätter haben im Innenbereich oder im Treibhaus gehalten werden. Erst dann sind die Setzlinge reif genug, um in den Boden umgepflanzt zu werden.

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Der letzte Schritt ist das Einpflanzen der Setzlinge im Außenbereich, dabei ist die Auswahl des richtigen Bodens sehr wichtig. Wein braucht eine optimale Dosis an Sonne, also keinen Schatten, aber auch keine ständige intensive Sonneneinstrahlung. Sieben bis acht Stunden volle Sonne reichen der Weinpflanze aus. Der Boden muss gut vorbereitet werden. Wein benötigt einen drainierten Boden. Ist Lehm als Untergrund oder ein schlecht drainierter Boden vorhanden, sollte der Untergrund mit Kompost, Sand oder anderen bodenverbessernden Zusätzen angereichert werden, damit die Drainage optimiert wird.

Wurden alle Schritte beachtet, kann die Pflanze wachsen und bei guter Pflege künftig auch Trauben tragen. Julian Geiß

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