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Finanzen - Evamaria Berg ist Politik- und Wirtschafts-Lehrerin an der Liebfrauenschule und hat im Interview Fragen der BAnane zur aktuellen Wirtschaftslage beantwortet

Inflation: Wenn das Geld an Wert verliert

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Inflation, ein Wort, das vor allem seit der Corona-Pandemie häufig gebraucht wird – doch was heißt Inflation überhaupt? Von einer Inflation wird grundsätzlich dann gesprochen, wenn das Geld an Wert verliert, das heißt, wenn man sich für einen Euro beispielsweise nicht mehr zwei, sondern nur noch ein Brötchen kaufen kann.

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Ein Wertverlust des Geldes kann eintreten, wenn zu viel Geld im Umlauf ist. Haben viele Menschen viel Geld, werden die Preise für Konsumgüter wie Backwaren angehoben. Auch bei einer Ressourcen-Knappheit, wie wir sie aktuell bei Öl und Gas sehen, kann es zu einer Anhebung des Preises kommen. Außerdem gibt es aber noch viele andere Faktoren, die zu einer solchen Entwicklung führen können.

Inflation findet also immer dann statt, wenn man für einen gewissen Geldbetrag plötzlich nicht mehr so viel bekommt wie zuvor. Zu der aktuellen wirtschaftlichen Situation haben wir die Politik- und Wirtschaftslehrerin Evamaria Berg (kleines Bild) von der Liebfrauenschule befragt:

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Inwieweit wird die Inflation in Deutschland durch den Krieg in der Ukraine beeinflusst?

Evamaria Berg: Als Russland am 24. Februar begonnen hat, die Ukraine zu bombardieren, hat sich die Welt gründlich verändert. Niemand hat es für möglich gehalten, dass es einen gemeinen Angriffskrieg innerhalb Europas jemals wieder geben könnte. Das ist ein sogenannter externer Schock für die Wirtschaftsentwicklung. Wir dürfen nicht vergessen, ziemlich genau zwei Jahre zuvor hat Covid Europa erobert und das normale Leben lahmgelegt. Das hat keiner von uns vergessen. Lockdown. Die Wirtschaft hat sich in der zweiten Jahreshälfte 2021 wieder erholt, ohne dass die Nachschub- und Transportprobleme in den Lieferketten aufgelöst gewesen wären.

Die Wirtschaftswissenschaftler und die Politik haben damit gerechnet, dass 2022 das Jahr der Erholung und stabilen Wachstums von 4,5 Prozent in Deutschland sein würde. Dann kam der Krieg. Der hat deutlich gemacht, dass die deutsche Wirtschaft in hohem Maß ihren Erfolg von billiger Energie aus Russland verdankt, der internationalen Arbeitsteilung mit billiger Produktion unter anderem in China und ihren Exporterfolg von der großen Nachfrage hauptsächlich im chinesischen Markt mit 1,5 Milliarden Menschen. Mit der chinesischen Haltung zum Krieg in der Ukraine, den Menschenrechtsverletzungen bezüglich der Zwangsarbeit der Uiguren und dem Umgang mit Covid ist China für Deutschland ebenfalls ein ganz problematischer Partner geworden. Das heißt, zwei zentrale Säulen des deutschen Wirtschaftserfolgs und breiten Wohlstands in der Bevölkerung bröckeln. Das wirkt sich auf die Preisstabilität aus.

Der Krieg in der Ukraine treibt hierzulande besonders die Energiepreise weiter nach oben. Die stiegen allerdings schon in der zweiten Jahreshälfte 2021 spürbar an, weil die Industrie wieder die Produktion hochfuhr und die Energienachfrage hoch war. Da wir etwa 50 Prozent unserer Energie aus Russland bezogen, hat der Krieg die Energie weiter verteuert. Jeder, der zum Beispiel in der Chemie, der Automobilindustrie, in der Produktion von Nahrungsmitteln et cetera große Mengen Energie verbraucht, hat höhere Kosten, die auf die Preise der Waren umgelegt werden, diese also verteuern. Insofern ist der russische Angriffskrieg in der Ukraine definitiv ein Preistreiber in Deutschland.

Wie kann die Inflation längerfristig wieder gesenkt werden?

Berg: Das ist die Fragen aller Fragen! Inflationsmanagement ist die Aufgabe der Zentralbanken. Die versuchen über die Anhebung der Zinsen Kredite teurer zu machen und damit die im Umlauf befindliche Geldmenge zu drosseln. Wenn aber die Inflation nicht von den billigen Krediten kommt, sondern von einer Vielzahl von Faktoren wie jetzt, wird es sehr schwierig. Überall ringen die Zentralbanken um eine geeignete Reaktion, Timing spielt eine Rolle und im Zweifelsfall kommen die Zinsanhebungen – wie zuletzt von der EZB – zu spät, weil es immer einen Verzögerungseffekt gibt, bis eine Maßnahme wirkt. Im Moment gehen die Ökonomen davon aus, dass die Inflation bis zum Jahresende auf der Höhe bleibt wie jetzt und nicht zurückgeht.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Ursachen der aktuellen Inflation im Kern politischer Natur sind, ist längerfristig der Rückgang der Inflation politisch herbeizuführen. Dabei spielt natürlich der russische Krieg gegen die Ukraine eine wesentliche Rolle, aber auch, wie es Deutschland gelingt, die Abhängigkeit von Gas, Öl und Kohle aus Russland zu reduzieren – was in den letzten Wochen dem Wirtschaftsminister bereits in beeindruckender Weise gelungen ist.

Ein weiteres Problem sind die globalen Lieferketten, die über die Covid-Pandemie in den letzten zwei Jahren erheblich gelitten haben und bis heute nicht wieder geheilt sind, was mit dem Lockdown in Shanghai und Peking in Verbindung steht. Dadurch sind viele Güter oder in der Produktion benötigte Teile knapp oder nicht verfügbar, was wiederum die Preise treibt. Aber auch das ist kein Thema, bei dem die Zentralbanken als Manager der Preisstabilität etwas bewirken könnten. Schließlich gibt es die enorme Herausforderung unter den aktuellen Bedingungen die Welt zu ernähren, da Russland und die Ukraine zusammen die größten Getreidelieferanten der Welt sind. Der Streit um das Getreide, das den ukrainischen Hafen in Odessa nicht verlassen kann, weil die russische Kriegsmarine das Schwarze Meer blockiert, ist ein sichtbarer Aspekt. Sehen werden wir im Laufe des Jahres im Fernsehen Bilder von Millionen von Menschen in der ganzen Welt, aber vor allem in Afrika, die hungern werden. Mia Eck

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