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Häusliche Gewalt - Die BAnane hat mit Steffen Brammer, Sexualpädagoge und Mitarbeiter bei Profamilia in Bensheim über das Thema gesprochen

Frauen und Männer leiden unter physischen und psychischen Attacken durch ihre Partner

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Gewalt in Beziehungen ist nicht nur Thema in Rosenkriegen zwischen Prominenten, wie aktuell bei Johnny Depp und Amber Heard. Auch hier an der Bergstraße gibt es häusliche Gewalt in Familien.

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Meist hört man davon, dass Frauen Opfer häuslicher Gewalt werden, dabei sind Männer ebenfalls betroffen, wie Steffen Brammer, Sexualpädagoge und Mitarbeiter bei Profamilia Bensheim im Gespräch mit der BAnane berichtet.

Schwäche zeigen

Veralteten Rollenvorstellungen zufolge heißt es, Männer seien das starke Geschlecht und im Gegenzug dazu Frauen eher von schwacher und zarter Natur.

Damit einher gehe auch eine Vorstellung davon, dass es ein regelrechtes Tabu für Männer sei, Schwäche zu zeigen. Vorstellungen, von denen heutzutage Abstand genommen wird.

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Trotzdem habe man ein Bild im Kopf, wenn beispielsweise von häuslicher Gewalt die Rede ist. Woran denkt man? An die Frau, die von ihrem Mann geschlagen wird. An die Frau, wie sie versucht, sich zu wehren. An die Frau, die körperlich unterlegen ist und nicht gegen ihren Mann ankommt.

All dies sind Bilder, die vielen Menschen in den Sinn kommen. „Natürlich kommt häusliche Gewalt oft in der Form vor, dass die Frau das Opfer ist, das sollte auf keinen Fall relativiert werden“, so Brammer. „Aber es gibt auch die andere Seite“, berichtet Brammer, im Gespräch mit der BAnane.

Häusliche Gewalt kann sowohl von Männern als auch von Frauen ausgehen. © stock.aobe.com - pololia

Er vertritt die Meinung, dass häusliche Gewalt sowohl gegen Frauen als auch gegen Männer gleichermaßen vorkommt. Selten höre man allerdings davon, dass der Mann in einem Haushalt derjenige ist, der geschlagen oder misshandelt wird.

Doch nur, weil man diese Perspektive nicht so oft vor Augen gehalten bekommt, heiße das aber lange nicht, dass diese nicht existiert – denn das tut sie, weiß Brammer. „Männer können genauso unter ihren Frauen leiden wie Frauen unter ihren Männern“, so der Pädagoge.

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Nur gemeldete Vorfälle

„Wenn man die Kriminalstatistiken ansieht, so wird man natürlich der Meinung sein, die Gewalt gegen Frauen käme öfter vor, aber die Statistiken nehmen auch nur die gemeldeten Fälle auf“, betont Brammer. „Männer melden Fälle weniger häufig, als es Frauen tun, aus dem einfachen Grunde, dass die Gesellschaft sie in ein Idealbild packt“, wie er erklärt. Ein Mann habe demnach Stärke zu zeigen und müsse seine Familie beschützen.

Er versorge seine Familie, da könne er sich doch nicht als so schwach herausstellen, dass seine Frau an ihm Gewalt üben kann. Genau dieses Bild, dieser Automatismus herrsche in unseren Köpfen vor, der es Männern erschwert, über das Thema häusliche Gewalt zu sprechen, so Brammer.

Umdenken in der Gesellschaft

„Dies Bedarf einer Veränderung“, betont er. Das Problem liege in der Gesellschaft, und dort müsse man anfangen, darüber aufzuklären. „Es gilt, wegzukommen von Automatismen und wegzukommen von den typischen Bildern.“

Nichtsdestotrotz solle auf keinen Fall der Eindruck entstehen, die häusliche Gewalt gegen Frauen zu relativieren und sich auf eine Seite zu schlagen, so Brammer.

„Es geht darum, beide Seiten zu berücksichtigen und nicht zu vergessen, dass auch Männer unter physischer und psychischer Gewalt in ihrem Zuhause leiden können“, betont der Sexualpädagoge. Carolin Dreizler

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