Finanzen

Auch Studenten aus dem Kreis Bergstraße leiden unter den Preiserhöhungen

Steigende Kosten für Lebensmittel und Energie stellen diejenigen vor Herausforderungen, die kaum finanzielle Hilfe bekommen.

Lesedauer: 

Bergstraße. Der erste Auszug von zu Hause in eine Wohngemeinschaft oder Ähnlichem ist für viele Jugendliche erst mal ein großer Schritt. Neben dem Stress, welcher auch die Ummeldung und Anmeldung bei verschiedenen Ämtern und Behörden beinhaltet, birgt nun auch der Alltag einige neue Hürden. Eine vermeintlich kleinere Hürde, deren Auswirkungen man sich anfangs kaum bewusst wird, ist der Umgang mit Geld.

Natürlich hat man von seinen Eltern schon vieles mit auf den Weg bekommen, doch kam es eher selten vor, dass man alleine den Wocheneinkauf erledigen musste. Sätze wie „Mach das Licht aus“, oder „Fenster zu, wenn die Heizung an ist“, kennt wohl jeder. Doch deren Sinn versteht man erst so richtig, wenn man die Rechnungen für Strom und Heizung am Ende des Monats beziehungsweise Jahres in seinen Händen hat und selber zahlen muss.

Heizungen bleiben so lange wie möglich aus

Dass die Öl- und Gaspreise in den vergangenen Jahren konstant angestiegen sind, ist vermutlich jedem aufgefallen. Nicht zuletzt durch den Russland-Ukraine-Konflikt sind diese Rohstoffe so teuer wie noch nie. Doch genau diese brauchen viele Haushalte zum Heizen. Gerade Studenten, die ja dafür „bekannt“ sind, in den meisten Fällen nicht die größten Geldreserven zu haben und versuchen zu sparen, wo sie nur können, treffen diese Preiserhöhungen hart.

Die Geldbeutel vieler Studierender sind aktuell leer, da die gestiegenen Preise die Ersparnisse schneller schmelzen lassen. Um Geld zu sparen, verzichten daher viele auf das Anstellen der Heizung. © Mautry

So bleiben die Zimmer in den meisten Fällen kalt, und nur abends wird die Heizung etwas hochgedreht, um Heizkosten einzusparen. Manche versuchen auch mit Konstruktionen aus Teelichtern zu heizen – wovon nur abzuraten ist – oder schlafen mit mehreren Decken, was meiner Meinung nach keine Lösung sein kann.

Das Problem mit dem dritten Entlastungspaket

Die Bundesregierung versprach vor wenigen Monaten mit dem mittlerweile dritten Entlastungspaket auch die Studierenden zu unterstützen und berücksichtigen zu wollen. Doch das Ganze scheint nicht zu fruchten. Durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten sind die 200 Euro für Studierende quasi nichts. Im besten Fall genügt dieses Geld, um die Preiserhöhungen über zwei Monate abzufedern, wobei diese Berechnung bereits sehr optimistisch ist.

Leben an der Armutsgrenze

Um Klartext zu sprechen: Studierende und vor allem jene, welche von Seiten der Eltern nur wenig oder gar keine finanzielle Unterstützung erhalten, leben oftmals an der Armutsgrenze. Sie sind eingeschränkt in jeglicher Lebenslage. Sei es, dass sie in kalten WG-Zimmern sitzen oder beim Einkaufen, vor allem bei frischem Obst und Gemüse, penibel auf die Preise achten müssen. Durch hohe Benzinpreise sind sie auch in Sachen Mobilität eingeschränkt, und sie können auch viele Kultur- oder Freizeitangebote einfach nicht wahrnehmen, weil ihnen schlichtweg das Geld fehlt.

Mehr zum Thema

Einmalzahlung

200 Euro für Studierende erst nächstes Jahr

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
Energiekrise

Wirtschaftsweise wollen Spitzenverdiener stärker belasten

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren
Verbraucher

Inflation springt im Oktober über 10-Prozent-Marke

Veröffentlicht
Von
Friederike Marx
Mehr erfahren

Das Bild des Studierenden, welcher sich täglich von Nudeln mit Pesto oder dem Essen in der Mensa ernährt, mag zwar in vielerlei Hinsicht auch ein Klischee sein, wird in den Wintermonaten leider aber für einige von ihnen bittere Realität sein, was einfach nur erschreckend ist.

Lösungsansätze, die es bereits gab

Zwei der wohl beliebtesten Lösungsansätze der Jugend und auch der restlichen Gesellschaft sind der Tankrabatt und die Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets. Gerade für Studenten, welche täglich mit dem Auto zur Uni pendeln, einfach weil der ÖPNV nicht zuverlässig genug ist, wäre ein Tankrabatt eine willkommene Hilfe, da die Benzinpreise vielen ein Loch in den Geldbeutel fressen.

Das 9-Euro-Ticket als solches wäre aber vermutlich die größte Unterstützung für das breiteste Feld der Studierenden. Man wäre direkt mobiler, spart CO2 ein und könnte Geld zur Seite legen. Sicherlich ist das 49-Euro-Ticket ein Schritt in die richtige Richtung, aber ich persönliche wäre nicht bereit, diesen Preis für diese Leistung zu zahlen. Leider muss man bei fast jedem zweiten Fernzug (Quelle: ZDF) mit einer Verspätung rechnen, was den Preis nicht rechtfertigt. Bei 9 Euro pro Monat könnte man jedoch darüber hinwegsehen, mal ein paar Minuten länger zu warten. Bei fast 50 Euro fällt es mir aber schwer, darüber hinwegzusehen. Marco Mautry